Strassenwischer 3, 3

„Zu Material und Unterlage kommt eben noch ein Gespür für den Wind. Sie müssen mit all diesen Grundlagen zusammenarbeiten. Es bringt nichts, gegen den Wind zu wischen, Sie müssen mit ihm arbeiten.“ (benetzt seinen Finger, hält ihn hoch): „Im Moment kommt der Wind von da drüben, Sie beginnen also am besten da drüben und wischen hierher.“

„Aha.“

„Und wenn Sie etwas Laub zusammengewischt haben, dann nehmen Sie doch die Schaufel und füllen schon einmal den Korb etwas auf. Dann fliegt beim nächsten Windstoss nicht schon alles wieder weg.“

(Journalist atmet schwer): „Ich sehe schon, es ist gar nicht so einfach, wie es aussieht!“

„Gewiss. Da steckt so etwas wie eine Philosophie dahinter.“

(Journalist wischt weiter. Und flucht über ein Blatt, das nicht gehorchen will)

„Sehen Sie, das bringt gar nichts. Es gibt eben Blätter wie Teenager: Sie lehnen sich gegen den Strassenwischer auf. Dann hilft nur, das Blatt liebevoll wieder in die richtige Bahn zu lenken. Blätter brauchen eine wertschätzende und zärtliche Führung!“

(Journalist schaut den Strassenwischer mit hochgezogenen Augenbrauen an): „Sie scherzen!“

„Nicht doch! Und denken Sie auch beim Füllen des Korbes daran: Bitte die Blätter liebevoll zusammendrücken. Sie lieben es nicht, wenn man mit den klobigen Schuhen auf sie drauftritt!“

„Ach ja? Und wie soll ich dann dafür sorgen, dass mehr Platz in diesem Behälter ist?“

„Drücken Sie bestimmt, aber sanft auf die Blätter…“


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