Journalisten-Ausbildung

Die AZ schreibt am 19. Oktober 2026 in ihrer Headline auf der Seite hier+heute:

75 Prozent wählen Maja Riniker

Was sagt mir das? Gar nichts. Denn der Bezug fehlt. Ich lese also das Kleingedruckte. Und mache mir Gedanken:

Laut Angaben der AZ gingen 21 Prozent der Stimmberechtigten wählen.

(79 Prozent gingen also NICHT wählen)

Maja Riniker wurde mit 70’137 Stimmen gewählt.

Frage: Wie viele Prozent der STIMMBERECHTIGTEN haben Maja Riniker gewählt?

Rechenweg:

75 Prozent der WÄHLENDEN entsprechen 70’137 Menschen

1 Prozent der WÄHLENDEN entspricht 935.16 Menschen

100 Prozent der WÄHLENDEN entspricht 93’516 Menschen

93’516 Menschen sind also 21 Prozent der stimmberechtigten Bevölkerung. Also weiter:

21 Prozent der stimmberechtigten Bevölkerung entsprechen 93’516 Menschen

1 Prozent der stimmberechtigten Bevölkerung entspricht 4’453.14 Menschen

100 Prozent der stimmberechtigten Bevölkerung entsprechen 445’314 Menschen

Wie viele Prozent der STIMMBERECHTIGTEN haben also Maja Riniker gewählt?

4’453.14 Menschen entsprechen 1 Prozent der stimmberechtigten Bevölkerung

70’137 Menschen entsprechen 15.75 Prozent der stimmberechtigten Bevölkerung

15.75 Prozent der STIMMBERECHTIGTEN haben Maja Riniker gewählt.

(84.25 Prozent der STIMMBERECHTIGTEN haben Maja Riniker NICHT gewählt!)

Ich überlege:

100 Prozent der aargauischen Wohnbevölkerung entsprechen 747’753 Menschen

1 Prozent der aargauischen Wohnbevölkerung entspricht 7’477.53 Menschen

9.37 Prozent der aargauischen Wohnbevölkerung entsprechen 70’137 Menschen

Frau Riniker wird also 9.37 Prozent der aargauischen Wohnbevölkerung vertreten!

(Frau Riniker wird also 90.63 Prozent der aargauischen Wohnbevölkerung NICHT vertreten!)

Liebe AZ: Prozente sind immer relative Angaben. Deshalb muss man immer den Bezug auf etwas angeben. Beispiel:

75 Prozent der WÄHLENDEN STIMMBERECHTIGTEN haben Maja Riniker gewählt.

Übrigens: 375’177 Menschen haben Maja Riniker NICHT gewählt!

Fazit:

Es ist wichtig, dass JournalistInnen eine solide Ausbildung bekommen und RedakteurInnen die Headlines gut kontrollieren!


Kommentare

Kommentar verfassen