Eingekreist über dem Lac de Joux

Wir wandern von der Strasse weg und befinden uns wenige Augenblicke danach in einem voralpenähnlichen Gebiet: Auf einer Weide, eingebettet zwischen Ausläufern eines Waldes. Eine Eisenbahnlinie zerschneidet neben uns eine Wiese, eine Haltestelle guckt vorwitzig hinter einem Hügelchen hervor. Plötzlich ist eine Gämse zu sehen, schräg vor uns. Da schaut sie sich schon um und hüpft in den Wald. Ob sie weiter oben sichtbar sein wird? Wir gehen behutsam weiter, setzen die Füsse sanft auf bemooste Steine, um ja kein Geräusch zu machen.

Durch ein Waldcouloir gelangen wir über eine Kuppe auf eine höher gelegene Wiese. Wir halten den Atem an: Da ist die Gämse wieder. Sogar eine ganze Familie! Und es kommen immer mehr dazu. Schon sind es über zehn Tiere. Wir bleiben stehen. Man beäugt sich gegenseitig. Bereits sehen wir 15 Gämsen. Die meisten äsen gemütlich. Ob man sie fotografieren kann? Wir suchen möglichst unauffällig unsere Handys. Die Tiere scheinen dies gewohnt zu sein und lassen sich nicht stören. Vielleicht können wir riskieren, noch etwas näher zu gehen? Wir setzen Fuss vor Fuss und rücken zentimeterweise näher.

Plötzlich schauen einige Gämsen auf und stellen die Ohren auf. Kommen Wanderer hinter uns? Vorsichtig schauen wir uns um. Ups! Wir sind in der Falle! Von hinten kommen auch noch Gämsen! Was sollen wir tun? Wir sind umzingelt! Vorsichtig und langsam bewegen wir uns vom Weg weg an den Waldrand. Die fünf Gämsen ziehen gelassen an uns vorbei, wohl kaum drei Meter entfernt. Sie schliessen sich der Herde an. Die Tiere fressen weiter.

Ob die Gämsen davonrennen, wenn wir weiterziehen? Wir drücken uns seitlich an ihnen vorbei. Einige blicken nicht einmal auf. Andere schauen uns fast verächtlich nach. Zuhinterst liegt ein Tier am Boden. Danke, dass wir euch sehen durften!

Wenig später treffen wir auf Waldarbeiter. Wir fragen, ob dies wilde Tiere seien. Nein, nein, die Chamois würden hier als Haustiere gehalten, sagt einer und lacht. Er veräppelt uns. Sie seien so zahm, weil sie nicht gejagt werden. Nur der Luchs hole hin und wieder eines, meint er. Uns wundert, dass die Romands keine Gämsen jagen. Und wir sehen noch mehr Gämsen. Auch sie sind mehr oder weniger zutraulich.


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