Neues von Frau Wunderlich, Hunde 4

„Du meinst, weil Hunde gelernt haben, uns alles vom Gesicht abzulesen, können wir unseren Seelenschmerz an ihnen abreagieren? Hunde als Abfalleimer, sozusagen?“

„So nun gerade auch wieder nicht“, windet sich Claudia.

„Wie dann?“, fragt Gerda.

Ich schweife gedanklich etwas ab. Ja, was soll ein Hund heute tun? Das Haus ist mit Sicherheitsschlössern gesichert. Auf die Jagd geht der heutige Mensch beim Grossverteiler – oder im Internet. Dafür braucht er keinen Hund. Höchstens eine App. Bleibt bald nur noch die Rolle als Trainingspartner. Oder Kinder-Ersatz.

„Tja! Jedenfalls hat mich etwas kürzlich nachdenklich gestimmt“, sagt Nicole und nippt an ihrem Latte-Macchiato. 

„Was denn?“

„Ich sah eine Frau mit Kinderwagen und Schosshündchen. Das Schmusetier war an einer langen Leine. Es schnupperte an einem Randstein. Ich überholte die Frau und wollte mir das Kind im Wagen ansehen, während das Tier sein Bein hob. Aber da war kein Kind! Der Wagen war für die Katz‘! Nein, natürlich für den Hund. Mit Schmusedecke und Zahnbeisser in Knochenform! Wahrscheinlich hatte die Frau auch noch ein Trinkfläschchen, eine Spieldose und eine Windel gegen direkte Sonnenbestrahlung dabei!“


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