Aus der zweiten Reihe, Haustier 6

Dann ist er da. 

«Hektor, komm, Fuss!»

Der Hund rennt herum. Macht keine Anstalten, zu meinem Sohn zu kommen. 

«Hektor, zu mir!», ruft nun die Tochter.

Keine erkennbare Reaktion. Ob der Hund wohl gar nichts hört?

«Hektooor!», ruft Renate. Erstaunt schaut sich der Hund um. Und tapst schwanzwedelnd zu meiner Frau. Damit ist wohl geklärt, wer im Haus das Sagen hat…

Nein! Das hast du jetzt falsch verstanden! Damit meine ich, dass der Hund erkennt, wer für das Essen verantwortlich ist! Schliesslich hat ihm Renate den Napf mit Trockenfutter und die Trinkschale hingestellt. Als Hund musst du dir schon merken, wer vom Rudel für dich schaut…

Doch die Aufmerksamkeit lässt bald nach. Schon wieder rennt er herum, bleibt am Tischbein stehen und…

«Pfui, Hektor! Freddy, bring ihn doch nach draussen. Er soll vor der Küche seine Geschäfte machen!»

«Ja, Mam», sagt er und versucht den Hund vom Tisch wegzukriegen. Aber einige Tropfen sind schon da. 

«Wisch doch schnell auf», meint der Sohn zu Nadja.

«Warum ich? Ist auch dein Hund!»

«Weil ich ihn schon nach draussen bringe. Paps, kannst du die Türe aufmachen?»

Für Hektor tun wir doch alles. Jedenfalls Vieles. 

Gegen Abend beginnt es zu regnen. Erwartungsvoll fragt meine Frau: «Wer möchte mit dem Hund noch raus?»

«Muss noch die Hausaufgaben erledigen», sagt der Sohn und zischt wie eine Rakete in sein Zimmer.

«Habe noch mit einer Kollegin abgemacht», entschuldigt sich die Tochter. 

«Wann bist du wieder da?», fragt Renate. 

«Spätestens um 21 Uhr.»

Ich vertiefe mich in meinen Krimi. 

«Schaaatz!»

Vielleicht funktioniert es ja, wenn ich NICHT reagiere.

«Schatzi!»

«Was ist denn?

«Könntest du bitte mit dem Hund raus?»


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