Aus der zweiten Reihe, Bergwanderung 2

In der Beiz sind noch Heiner und Kari. Erzähle den Kumpels von meiner Tour. 

«Da startest du also auf weniger als 900 Höhenmetern. Dann geht’s steil bergauf, sag’ ich euch! Auf über 1’900 Meter.»

Der Heiner und der Kari staunen.

«Das habe ich dir nicht zugetraut!»

«Respekt!», meint Heiner.

«Und das schaffst du in deinem Alter? Ich meine, sieh dir doch seine Wampe an, Heiner!»

Was ich ihnen natürlich nicht sage: Da fährt zuerst eine Seilbahn ein Stück aufwärts. Und was sie auch nicht wissen müssen: Ich habe mich zuerst geweigert, in diese primitive, OFFENE – na sagen wir: – Kabine zu steigen. Aber immerhin hat sie uns über 600 m höher gebracht. Und mein Rucksack drückte mich schon vom Auto zur Seilbahnstation fast in den Boden. Entsprechend langsam steige ich auf der steinigen Strasse Richtung Alp. 

«Gehst du im Kriechgang?», fragt mein Sohn.

«Weisst du, beim Aufstieg soll man langsam, aber konstant gehen», erkläre ich ihm, «damit du in einen Rhythmus kommst und, …äh, notfalls… mh…, noch Reserve, …hm, hast.»

«Papa hat, glaube ich, eine Kröte im Hals», lächelt unsere Tochter.

Nach der Alp führt ein Fussweg noch steiler bergauf. Bei einem Bergbach verkünde ich deshalb lautstark: «Zeit für die Mittagsrast!»

«Schon?», fragt Renate. «Ich fühle mich noch genug kräftig, bis zum Pass zu gehen. Wäre es nicht schöner beim Sattel? Da könnten wir auf beide Seiten ins Tal sehen.»

«Dort oben zieht es sicher», behaupte ich und setze mich demonstrativ auf einen grossen Stein. Ich bin durstig geworden und nehme einen kräftigen Schluck aus meiner Blechflasche. 

«Kann ich auch etwas von deinem Wasser haben?», fragt meine Tochter.

«Nein. Es reicht ja kaum für mich», antworte ich. «Sieh ‘mal, schon fast nichts mehr drin!» Ich schüttle leichtsinnigerweise meine Flasche. Erst als mein Sohn grinst, realisiere ich, dass Schaum aus der Flaschenöffnung austritt. Schnell setze ich die Flasche an, verschlucke mich und muss husten.


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