Nach dem zweiten Abend stellt der Junior fest, dass er zwar für die Senkrechte eine Lösung hat. Dafür hat er in der Horizontalen ein Problem: Da sollte er die Dosen-Mäntel auch noch stabilisieren.
«Paps, könntest du nicht auch noch an der Seite Löcher und Nieten anbringen?», meint er zögerlich.
Ich stöhne auf. «Hast du meine Schwielen vergessen?»
«Ach Paps, du weisst doch, du bist der Beste!», schmeichelt nun die Tochter.
Ich schlucke.
«Ich erwähne dich dann auch in meiner Semester-Arbeit», bietet der Sohn an.
Warum nur muss ich mich immer überreden lassen? Also noch einmal Löcher stanzen, noch einmal Nieten drücken. Zum Glück haben wir mehr als genug bestellt.
Renate tröstet mich, als ich abends im Bett meine Hände mit einer beruhigenden Salbe einreibe. «Mit den restlichen Nieten könnte ich mir ja noch ein Leder-Mieder machen, was meinst du?»
Mir sträuben sich die Nackenhaare. «Das meinst du jetzt nicht wirklich ernst, oder?»
Sie lächelt, sagt aber nichts.
«Mir wäre lieber eines aus glänzendem Stoff», wage ich zu sagen. «Da braucht es dann auch keine Peitsche dazu…»
Am nächsten Abend kommt der Sohn freudestrahlend heim.
«Was gibt’s Neues?», fragt meine Frau.
«Ich habe der Lehrerin eine Skizze abgegeben, wie mein Raumteiler aussehen soll. Sie hat sie an die Wandtafel aufgehängt. Sie findet mein Projekt ‘Klasse’. Das sagt sie nur, wenn sie von einer Idee sehr begeistert ist.»
«Tönt ja wirklich gut», sage ich.
«Und das Beste: Sie hat gesagt, mein Projekt werde ein Höhepunkt an der Ausstellung…»
«Was denn? Es gibt eine Ausstellung?», fragt Renate.
«Kommst du dann in der Zeitung?», fragt meine Tochter.
«Kann schon sein», meint der Junior wichtig.
«Das müssen wir dann feiern», meint meine Frau. «Ich lade euch nach der Ausstellung alle zu einem Nachtessen ein.»
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