Aus der zweiten Reihe, Fitness-Studio

Ich liege gerade so schön auf meinem Sofa, und geniesse, dass Renate nicht zu Hause ist. Wobei: Wo mag sie nur stecken? Eigentlich wollten wir abends in den Ausgang: Die Kinder verbringen ein Wochenende bei den Grosseltern, da lockt ein Abendessen, draussen im Waldhaus, mit Fleisch vom Grill – und ein Bierchen. Bin also in meinen schönsten Gedanken, als meine Frau schwungvoll die Bühne betritt. Wie? Du dachtest, ich sei zu Hause? Gewiss. Ich meine ja, Renate betritt unser Haus.

«Schatziii!»

Au Backe! Das tönt nicht gut. Schnell jucke ich von der Horizontalen in die Vertikale. «Hier bin ich. In der Stube!»

Schon schiesst sie um die Ecke, mit rotem Kopf und einem freudigen Blick. Irritiert bleibt sie stehen. «Was machst du denn da?»

«Na, mich einstimmen. Aufs Wochenende.»

«Das glaub ich jetzt nicht! Und da ist das erste, dass du ein Bier kippst?»

«Nur so ein kleines Bierchen. Ich hatte Hunger, wollte aber nichts essen», entschuldige ich mich.

«Du weisst aber schon, dass Bier auch Kalorien hat, oder? Sogar richtig viele Kalorien!»

Ich zucke die Schultern. «Ist ja nur ein kleines, unschuldiges Bierchen.»

Sie schüttelt den Kopf. «Das muss jetzt aufhören. Du nimmst ständig zu! Und nachher klagst du: Über deinen schmerzenden Rücken, über deine schlimme Hüfte. Dann dein blödes Knie. Und natürlich deine Plattfüsse! Dabei sind deine Gelenke bloss vom Übergewicht überlastet!»

«Aber so ein kleines Bierchen…»

«Du meinst: zwei, drei Bier! Die Chips noch nicht mitgerechnet. Und die Fritten, und…»

«Oh, ja! Heute Abend nehm’ ich, glaub’ ich, wieder einmal Pommes Frites zum Fleisch!»

Mit giftigem Blick fixiert mich meine Frau. «Daraus wird heute nichts, Schatz! Denk an deinen Magen!»

Erstaunt frage ich: «Warum denn plötzlich?»

«Weil wir das ab heute ändern! Ich mache uns einen Obstteller. Und dazu darfst du jede Menge Tee trinken.»


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