Aus der zweiten Reihe, 2

Politik? Darum habe ich mich nie gross gekümmert. Die machen in Bern ja sowieso, was sie wollen. Na gut, ich bin schon wählen und abstimmen gegangen. Habe von jeder Partei die vordersten auf der Liste gewählt, da hast du eine gute Mischung. Heute ist es schwieriger geworden. Da musst du noch schauen, wer eine Chance hat. Und heute schreiben sie die im ABC nach auf die Liste. Die schicken dir ja heutzutage mehr Listen, als du Leute wählen kannst! Manchmal schaue ich auch die Arena oder den Zischtigsklub.

Da geht zuweilen die Post ab! Was da die einen einstecken müssen! Und wie es ihnen die andern geben! Also ich könnte das nicht. Habe halt keine Elefantenhaut! Ja, ich weiss, dass es einige Parteien nicht mehr gibt. Ah ja, genau, jetzt, wo du es sagst: Die Migros-Partei. Wie hiess die? Brückenbauer? Ach ja: Landesring der Unabhängigen. Tönte ja eher nach einem Singkreis…

Ob ich Kinder habe? Zwei. Knabe und Mädchen. Die anderen im Bekanntenkreis hatten auch welche. Renate wollte dann wieder arbeiten gehen. Da gab es den Elternverein, und da konnten die zwei zweimal pro Woche zu einer Tagesfamilie. Könntest du ja heute kaum mehr finanzieren. Ob ich mich an diese Zeit erinnern kann? Da gab es, glaub’ ich, eine Gemeindeschwester, die kam vorbei und schaute, ob die Kinder – fast hätt’ ich gesagt: artgerecht gehalten wurden – eine kinderfreundliche Umgebung hatten. Ja, muss man ja alles organisieren: Wickelkommode, Kinderbett, Windeln, Baby-Puder und so weiter. Damals wohnten wir ja noch in einem Block. Da musstest du warten, bis du nach 14 Tagen waschen konntest. Nun nerv nicht! Klar hat das meine Frau gemacht! Ich habe abends dafür die Kinder ins Bettchen getragen, wenn sie eingeschlafen waren!

Hilfe? Schon, ja, da waren ja meine und ihre Eltern. Ja, Also die Eltern von Renate. Da gab es auch so Informationen von Pro Juventute, ich glaube Elternbriefe hiessen die. Sie kamen anfangs fast jeden Monat, später weniger oft. Und dann hast du mit andern Kontakte geknüpft. Also das hat eigentlich Renate alles gemacht. So Kleidertausch oder Kleiderbörse, Ludothek, Ferien im Reka-Dorf. Ob ich denn nicht geholfen hätte? Ich bitte dich! Habe ich doch. 100 % gearbeitet! Vielleicht mal mit dem Staubsauger oder die Spülmaschine ausgeräumt. Im Haus dann habe ich viel gemacht: Bilder aufgehängt, Möbel geschleppt… Und die Kinder ins Bett getragen, wenn sie beim Spielen eingeschlafen waren.


Kommentare

2 Antworten zu „Aus der zweiten Reihe, 2”.

  1. Das ist schon eine Menge. Auch wenn es sich wenig anhört, einige Putzmaschinen zu betätigten. Am Ende ist es doch eine Hilfe. Und wer freut sich denn nicht auch über die kleinen Dinge, die schon erledigt sind, wenn man nach Hause kommt.

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    1. Der Text „Aus der zweiten Reihe“ ist NICHT meine persönliche Meinung, sondern stellt eine fiktive – also erfundene – durchschnittliche Meinung dar. Ich persönlich verrichte Haushaltarbeiten und weiss sie dementsprechend zu schätzen.

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