„Aber das Sauerteigbrot?“, frage ich, „das kann doch Karl bestimmt nicht!“
Claudia lacht. Ich glaube fast, sie lacht mich AUS.
„Ach, du Arme!“, sagt sie. „Wir haben doch einen Thermomix. Alle Zutaten hinein, und schon wird dein Brot – hokuspokus – von der Maschine gerührt, geknetet und gebacken!“
„Da kannst du ja getrost noch einige Tage im Spital bleiben und dich erholen.“
Mit dieser Reaktion hätte ich nie im Leben gerechnet: Sie schiesst hoch und schaut mich entgeistert an.
„Spinnst du? Ich will so schnell wie möglich ‚raus hier! Am liebsten käme ich gleich mit dir. Aber ich muss noch eine Nacht bleiben.“
„Warum denn? Wenn du dich doch gut fühlst…“
„Na, wegen der Fallpauschale! Schon vergessen?“
„Und warum möchtest du denn lieber schon früher raus? Hier hast du doch alles, was du brauchst, musst nicht abwaschen und abtrocknen…“
Sie schaut mich sehr ernst an.
„Denk nur an alle Viren und Bakterien, die da herumschwirren!“
Natürlich! Das hatte ich ganz vergessen! Claudia fürchtet ja Krankheiten wie der Teufel das Weihwasser!
Beschwörend schaut sie mich an.
„Ich habe gehört, dass es auf der Station nebenan vor drei Wochen einen Ausbruch des Norovirus gegeben haben soll… Stell dir vor, ich kriege das, und muss mit meinen starken Helfern zur Toilette eilen!“
„Deine starken Helfer?“, frage ich, nicht weil ich es vergessen habe, sondern weil ich den richtigen Ausdruck von ihr hören will.
„Halt meine Gehhilfen!“
„Aha.“
„Oder dann Covid. Das ist ja nicht vorbei. Das könnte ich mir hier jederzeit holen!“
„Du bist doch mehrfach geimpft, oder?“
„Schon. Aber wenn du dann Long Covid hast…“
„Mal den Teufel nicht an die Wand. Und morgen bist du ja dann weg.“
„Schon, aber erst nach dem Besuch der Fachkraft…“
„Du meinst, nachdem der Assistenzart dich entlassen hat?“
Sie wirft mir einen ärgerlichen Blick zu.
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