Am Tag darauf besuche ich Claudia im Spital. Ich erwarte eine bleiche Frau, die im Bett liegt, auf dem Nachttischchen Tee stehen hat und in einer Illustrierten liest.
Was ich antreffe, sieht ein bisschen anders aus: Claudia sitzt auf einem Stuhl an einem Tischchen mit Sicht in den Garten. Sie trägt kein Spitalhemd mit offenem Rücken, sondern eine sportliche Kleidung. Vor ihr steht ein Orangensaft und sie blättert in einem Stapel Broschüren.
„Na, Claudia, wie geht’s?“
„Hervorragend!“
„Was liest du denn da?“
„Mir steht ein strenges Programm bevor. Ich. habe jeden Tag Therapien.“
Ich staune. „Du meinst ein richtiger Stundenplan?“
Sie nickt. „Ich bin abends fix und fertig. Kann beim Nachtessen kaum mehr die Augen offenhalten!“
„Du übertreibst!“
„Nein, nein! Das bringt dich echt ans Limit.“
„Die mischen dir doch am Abend Schlaftabletten ins Essen!“
Empört schaut sie mich an.
„Im Spital verläuft heute alles nach Fallpauschalen. Da steht festgeschrieben, was alles dazu gehört. Und die wollen natürlich, dass du nach möglichst wenigen Tagen wieder weg bist, damit die nächste Patientin ein Bett frei hat!“
„Und wenn du wieder zu Hause bist?“
„Da muss ich natürlich aufpassen, dass ich mich nicht gehen lasse. Muss das Training konsequent weiterführen. Habe dem Karl schon gesagt, dass er im Haushalt mehr übernehmen muss. Schliesslich brauche ich ja Zeit für mein Trainingsprogramm.“
Hinterlasse einen Kommentar