Ich habe Claudia längere Zeit nicht gesehen. Deshalb entschliesse ich mich, sie anzurufen. Habe mir doch irgendwo ihre Nummer notiert. Wo bloss? Im Haufen meiner Notizzettel finde ich die Nummer nicht. Auch nicht in meiner Agenda. Und erst recht nicht bei meinem Register mit allen wichtigen Adressen. Mist! Wo könnte ich sie abgelegt haben? Endlich fällt mir ein, dass ich auf meinem Handy eine App für die Notizen habe. Hurra! Gefunden. Bloss: Welche von diesen drei Nummern ist es, die ich mir in letzter Zeit aufgeschrieben habe? Bleibt wohl nur, aufs Geratewohl anzurufen… Hat sie nicht gesagt, dass ich mir die Nummer ganz einfach merken könne? Aha! Zwei Mal eine Dreierfolge und nochmals die erste Zahl. Das müsste sie sein.
„Hallo, Claudia, wie geht es dir?“
„Ganz gut“, sagt sie, der Rest geht in einem Hustenanfall unter.
„Ganz gut? Das tönt aber gar nicht gut! Bist du krank?“
„Wo denkst du hin?“, antwortet sie gekränkt. „Habe bloss eine vorübergehende Arbeitsunfähigkeit.“
„Was? Wie bitte?“
„Na ja, es kümmert sich eine Fachkraft um mich. Sie beobachtet mein Problem und gibt mir probate Mittel, damit ich meine erschwerte Bewegungsfreiheit baldmöglichst wiedererlange!“
„Moment! Muss das zuerst analysieren. Es kümmert sich eine Fachkraft um dich heisst wohl, du warst beim Arzt?“
Ich spüre durchs Telefon, wie sie sich schüttelt.
„Ist ja gar nicht so schlimm!“
„Eingeschränkte Bewegungsfreiheit heisst doch aber wohl, dass du im Bett liegst?“
„Na ja, nicht mehr lange…“
„Probate Mittel sind dann also verschriebene Medikamente?“
Claudia ist zerknirscht.
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