„Aber dein Bruder, wofür ist denn DER gut?“, frage ich Claudia.
Claudias Bruder war eigentlich früher – also in unserer Schulzeit – ein berühmt berüchtigter Tunichtgut, einer, der ungefähr die Hälfte seiner Freizeit mit Nachsitzen verbrachte. Habe allerdings später nicht mehr viel von ihm gehört. Er könnte also etwas ruhiger geworden sein.
„Mein Bruder? Der wird überall eingesetzt, wo es um Kraft geht: Garten, umziehen, renovieren, …“
Das kann ich mir vorstellen. Da kommt mein Mann zuweilen an Grenzen. Nicht unbedingt, was die Kraft angeht, eher bei der Ausdauer. Und beim Fachwissen.
„Und wie steht es, wenn du einen Fachmann brauchst?“, frage ich deshalb.
Claudia lächelt überlegen.
„Ich habe für viele Spezialgebiete einen Fachmann!“
„Sag schon! Da bin ich ja ‚mal gespannt!“
Sie schlägt das linke Bein über das andere. Aber kaum hat sie dies getan, fällt ihr offenbar ein, dass dies ungesund ist, und sie setzt sich etwas aufrechter hin, nachdem sie wieder beide Beine nebeneinander gestellt hat.
„Zum Beispiel Joghurts: Ich esse jeden Tag mehrere Joghurts. Du weisst schon, wegen den Proteinen. Damit ich nicht so viel schleppen muss, habe ich Manfred.“
„Mampfred? Der aus der Parallelklasse in der Oberstufe?“
Sie nickt.
„Der arbeitete beim Grossverteiler. Wenn ich genug viel bestelle, gibt er mir Rabatt. Wir könnten übrigens zusammen bestellen. Vielleicht wird es dann noch günstiger…“
Wenn ich an meinen Mann denke, schleppt der die meisten Dinge, die ich möchte, beschwerdelos an.
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