Wir sitzen im Café. Claudias Mutter – also die Uschi – will ja nicht älter werden. Und langsam habe ich den Verdacht, dass Claudia selbst auf ihren Spuren wandelt. In letzter Zeit hat sie mir viel von Abnehmspritzen, Proteinen und Antiaging-Mitteln erzählt. Mir fällt auf, dass sie gar nicht Kaffee, sondern einen Grüntee bestellt hat.
„Sag ‚mal, Claudia, trinkst du denn neuerdings keinen Kaffee mehr?“
Sie lächelt mich an.
„Das tue ich schon einige Zeit nicht mehr. Kaffee entwässert zwar, aber Grüntee entschlackt. Schliesslich muss ich darauf achten, dass es meinem Körper gut geht.“
„Aha“, kann ich nur sagen. „Sagt wer?“
„Halt die Uschi. Und die will hundert Jahre alt werden.“
„Aber wenn du dich täglich abrackern musst, ist es schwierig, 100 zu werden.“
„Glaub‘ ich nicht. Du musst dir bloss zu helfen wissen.“
„Ach, und wie?“
Claudia grinst.
„Dafür habe ich meine Männer!“
Ich verstehe Bahnhof.
„Deine Männer? Du meinst deinen Vater und deinen Bruder?“
Sie grinst noch breiter.
„Und noch eine Menge mehr!“
Ich komme immer noch nicht draus.
„Wofür brauchst du denn deinen Vater?“
„Na, für die Finanzen. Der weiss, wie ich die Steuererklärung ausfüllen muss. Und notfalls kann ich ihn anpumpen.“
„Das ist wirklich ein wichtiger Punkt“, sage ich, und denke dabei, dass mein Mann diesen Posten ganz gut einnimmt.
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