Neues von Frau Wunderlich, Frühlingserwachen 5

„Das Essen? Ich würde ‚mal sagen: Nicht übel. Halt etwas steif, in einem noblen Restaurant. Da musst du auch ein bisschen auf die Etikette achten. So tun, wie wenn du dich täglich in solchen Kreisen bewegen würdest. Natürlich haben alle auf mich geschaut…“

„Wolltest du das nicht?“, frage ich überrascht.

„SO nicht. Habe nämlich vergessen, mein Kopftuch abzulegen. Bis Walter es mir abnahm.“

„Mit seinen warmen, weichen Händen…“

Nicole geht nicht darauf ein. 

„Nun sag schon… Kamt ihr euch näher?“

„Während des Essens? Da musste ich schon darauf achten, dass ich nicht schmatze und beim Weintrinken schlürfe!“

„Aber nach dem Essen! Da hattet ihr doch Zeit, bis das Dessert aufgetragen wurde!“

„Da rülpste Walter und entschuldigte sich, er müsse unbedingt ‚für kleine Jungs‘. Ich machte mir schon Sorgen, weil es so lange dauerte, da kam er endlich wieder. Er hätte eine längere Sitzung gehabt, meinte er. Das ist nicht die beste Ausgangslage, um sich näher zu kommen, wenn es kein besseres Thema gibt!“

„Und nach dem Kaffee?“

„Da drängte er zum Aufbruch. Wir fuhren im ungefähr gleichen Stil zurück, wie wir hergefahren waren. Unterwegs fragte er mich einmal, warum ich mich so verkrampft am Türgriff festhalte.“

„Und du?“

„Ich sagte ihm, dass ich lieber sicher als schnell heimkommen würde. Darauf hat er dann tatsächlich für sicher zwei Minuten das Tempo gedrosselt.“

„Und zu Hause?“

„Da hat er mich auf die Wange geküsst und gesagt: Also, bis zum nächsten Mal.“

„Sonst nichts?“

Sie überlegt.

„Doch! Er erwähnte noch eine Sitzung, und es sei ‚ganz schön mit mir‘ gewesen!“


Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar