Nicole schaut mich entgeistert an.
„Es geht mir doch gar nicht ums Geld oder eine Ferienwohnung. Ich habe ihn dann gefragt, was er denn in seiner Freizeit so macht. Ob er an kulturelle Anlässe geht, zum Beispiel an ein Theater. Da sagt er ja, selbstverständlich. Er sei fasziniert von den Bodensee-Festspielen in Bregenz. Die Bühne dort sei immer sensationell. Da gebe es die tollsten Tricks mit Falltüren, Drehbühne und Feuereffekten.“
„Und? Hat dir das imponiert?“, grinse ich.
„Ich habe ihn gefragt, was er denn da letztes Jahr gesehen habe. Er meinte, es könnte ‚Jedermann‘ gewesen sein. Oder ‚Was ihr wollt‘. Dabei führen die dort immer Opern auf, und nicht Theater.“
„Hast du ihm das gesagt?“
„Nein. Bin der Thematik ausgewichen, so gut es ging. Habe ihn dann nach seiner Familie gefragt. Er hat nur seinen Bruder Jürgen, die Eltern sind schon beide gestorben.“
„Und?“
„Was und? Er hat behauptet, sein Verhältnis zu Jürgen sei ‚ganz normal‘.“
„Und das heisst?“
„Das habe ich auch gefragt! Sie sehen sich bloss etwa drei Mal im Jahr. Und sie erzählen sich dann nur, was sie beruflich so machen.“
„Echt jetzt? Aber das Essen! Und seid ihr euch näher gekommen?“
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