Neues von Frau Wunderlich, Frühlingserwachen 3

„Nein, viel schlimmer! Walter setzt sich eine Wollmütze auf! Eine rosafarbene Wollmütze!“

Ich kann nicht anders. Ich pruste los. 

„Ich beisse mir also auf die Zähne“, fährt Nicole weiter. „Darauf er: Ist ‚was? Ich: Nein, nein. Wo fährst du mich hin? Darauf Walter: An den Zugersee. Da gibt es in Walchwil ein Restaurant, die kochen ausgezeichnet Fisch.“

„Und du? Magst du Fisch?“

„Na ja, nicht jeden Tag“, weicht Nicole aus. „Aber schlimmer ist die Fahrt.“

„Warum denn das?“

„Walter fährt wie ein Scherenschleifer. Er nennt es allerdings sportlich. Vielleicht ist es auch, weil er ständig schwatzt.“

„Hat er dir gestanden, wie sehr er dich liebt?“

Sie winkt ab.

„Hat nur lauter Belangloses erzählt. Von seinem Lieblings-Fussballclub, dem es momentan nicht so läuft, von irgendwelchen Aktien, die gerade gestiegen seien, von wirtschaftlichen Problemen wegen den Kriegsereignissen… Und dann diese Musik!“

„Musik? Im Cabrio? Da hörst du doch gar nichts!“

„Denkst DU! In diesem Auto sind überall Lautsprecher eingebaut, auch in den Kopfstützen. Wenn es ja gute Musik gewesen wäre! Aber da lief nur klassisches Zeug, und vor allem Katzengesang.“

„Katzengesang?“, frage ich blöd.

„Nun ja, Arien halt. Oder Oratorien. Fast nicht zum Aushalten war das.“

„Hast du ihn denn nicht auf Wichtigeres angesprochen? Zum Beispiel auf seine Ferienwohnung, seine Familie oder sein Geld?“


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