Neues von Frau Wunderlich, Schmetterlingstheorie 3

Nicole setzt sich aufrecht hin, stützt die Arme auf und fährt weiter.

„Ganz einfach. Es gibt Frauen, die eigentlich gar keinen Mann brauchen. Na ja, irgendwie müssen sie aber kurz einen haben, um Kinder zu kriegen. Und dann ist es auch noch ganz angenehm, wenn der für die Kinder sorgen kann. Super, wenn es auch noch für die Existenzgrundlage der Frau reicht.“

„Mal kurz zur Klärung: Das lassen Schmetterling-Männchen einfach mit sich machen?“

„Die sind ja dann verpuppt, an einem Faden aufgehängt. Zucken zwar ein wenig herum. Womit sollen sie sich wehren? Haben ja dann keine Extremitäten. Der ganze Körper ist im Umbau, das ist fast nur noch ein Brei mit einem schlagenden Herz.“

„Hört sich gruselig an.“

„So ein Männerleben, das nur noch auf Erhaltung von Kindern und Frau ausgerichtet ist, hört sich auch nicht gerade erstrebenswert an.“

„Wie kann das eine Frau erreichen?“

Nicole grinst. „Wahrscheinlich getarnt als Schmetterling. Oder mit einem Hexentrank…“

„Nicht ernsthaft, oder?“

„Eher mit etwas Sex. Wenn du schön artig warst, darfst du wieder einmal!“

„Und der männliche Schmetterling?“

„Du meinst die männliche Puppe? Ich weiss nicht, ob sie den Einstich mit einem Kitzeln oder einem Vorspiel zum Sex verwechselt.“

„Ich stelle mir das grauenvoll vor: Die werden von innen her aufgefressen.“

Nicole rollt die Augen.

„Die spüren doch gar nicht mehr viel. Sie werden träge, müde, und irgendwann geht es ihnen wie verblühenden Blumen: sie verwelken.“


Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar