Neues von Frau Wunderlich, Geburtstag 5

Claudia nestelt in ihrer Tasche, nimmt eine Packung Zigaretten heraus, klaubt eine aus der Umhüllung, steckt sie in den Mund und zieht, kaum angezündet, gierig daran.

„Claudia?“

Sie bläst mir den Rauch ins Gesicht. 

„Ist doch wahr! Da gebe ich mir Jahr für Jahr, Woche für Woche, Tag für Tag Mühe, für meine Familie und mich gesund und abwechslungsreich zu kochen und dann kommt meine Mutter…“

Sie erschrickt über ihre eigene Aussage und schüttelt sich.

„…Uschi und knallt mir Konserven auf den Tisch. Nicht eigene, selbst eingemachte Nahrungsmittel, wohlverstanden, sondern industriell hergestelltes, hochgradig verarbeitetes Convenience Food!“

„Claudia! Reg dich wieder ab! Schenk’s doch der „Gassenküche“ oder dem „Tischlein deck dich“.“

„Das wäre eine Beleidigung für diese Institutionen!“

„Dann wirf es in den nächsten Abfallkübel!“

„Das wäre Food-waste!“

„Dann schenk es deiner – Uschi – auf nächste Weihnachten zurück.“

Plötzlich gluckst sie, kichert erst und prustet dann los. Sie kriegt einen roten Kopf, muss auf ein Mal hicksen, verschluckt sich und kriegt einen Hustenanfall. Sie reibt sich Tränen aus den Augen.

„Ha! Der war gut. Das könnte ich tun. Aber halt! Das geht, glaub ich, doch nicht. Das geht gegen meine Ehre. Am besten wird sein, wenn ich nochmals darüber schlafe.“

Sie drückt die angerauchte Zigarette aus und wirft den Stummel in den Abfalleimer. 


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