„Du glaubst es nicht“, erzählt Nicole, „der Kerl hatte doch tatsächlich Karten vor sich ausgebreitet.“
„Will er denn verreisen?“
„Nein, du verstehst mich falsch: Spielkarten. Zuerst dachte ich, jetzt macht er auf Esoterik und legt sich die Zukunft mit einem Tarot-Spiel. Aber die Karten waren kleiner. ‚Was machst du da?‘, frage ich ihn. Und er: ‚Ich kann doch nicht immer in den Bildschirm schauen. Muss doch zwischendurch mal Pause machen. Und da lege ich mir jeweils eine Patience.‘ Ich hatte bisher geglaubt, dass das nur alte Frauen im Altersheim tun. Darum frage ich ganz blöd: Ist das nicht eher ‚was für Ältere?“
„Und er?“
„Schüttelte den Kopf und meint: ‚Es gibt ganz viele verschiedene Möglichkeiten eine Patience zu legen. Soll ich die eine zeigen?’“
„Und du?“
„Habe mir schon überlegt, ob er mir nun endlich Avancen machen will und setze mich also zu ihm auf die Bank. Aber er rückt sofort einige Zentimeter zur Seite. Erklärt mir, was ein Deck ist, und wie er bei dieser Version die Karten auslegen muss.“
„Ohne Berührungen?“
„Keine einzige! Nur die Karten berührt er. Unsagbar zärtlich! Da wünschte man sich, eine Herz-Dame zu sein. Und wo bleibt man liegen? Auf dem Talon mit den unbrauchbaren Karten!“
Ich staune, welche Vergleiche Nicole ziehen kann.
„Hat er dir wenigstens etwas angeboten? Ein Bier, oder ein Glas Wein?“
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