Neues von Frau Wunderlich, Patience

Nicole sitzt wie ein Häufchen Elend an meinem Küchentisch. Mit den Händen hält sie die Kaffeetasse umklammert. Sie wirkt müde und lustlos. Ihre Krücken hat sie in die Zimmerecke gestellt.

„So schlimm?“, frage ich und meine ihr Bein.

„Schlimmer! Mit dem Kerl bin ich durch!“

„Dein Nachbar?“

„Den Jürgen, den sollt‘ ich würgen…“

Nun grinst sie doch. 

„Was ist denn passiert?“

Sie seufzt. „Ich hab‘ es also kürzlich wieder versucht. Habe gedacht, vielleicht habe ich bisher nicht den richtigen Zeitpunkt erwischt. Möglicherweise wäre ja der frühe Abend besser, wenn ich von der Arbeit heimkomme. Also bin ich erst gegen sechs Uhr abends rüber. Habe mich extra zuvor noch schön gemacht, so leichte, luftige Kleidung mit sanften Farben. Dummerweise habe ich noch ein Foulard um den Hals gelegt. Dachte, dass ich mit dem Parfum drauf eine Chance haben könnte…“

„Aber er war schon da?“

„Das ist es ja: Er ist immer da. Aber auch immer irgendwie abwesend. Wenn du weisst, was ich meine…“

„Dann sass er also wieder hinter seinem Bildschirm?“

„Das ja eben NICHT. Es sass zwar hinter dem Screen. Aber der Computer lief nicht.“

„Das tönt ja ganz konfus! Was hat er denn gemacht? Sich hinter dem Bildschirm versteckt?“

Sie lacht auf. „Sah genau so aus!“ Sie streckt ihr Bein unter dem Tisch. 


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