Ich höre Claudia nicht wirklich zu. Sie hat mich vor dem Einkaufsladen erwartet. Weiss Gott, wie lange sie es aushält, jetzt, wo das Wetter so wechselhaft ist: Regen, Wind, feuchte Schneeflocken. Sie ist wieder einmal mitten in IHREM Thema: Krankheiten.
„…und plötzlich überkommt es dich. Und du kannst dich nicht mehr erinnern. Hörst du mir überhaupt zu?“
„Ja, natürlich. Du bist bei der Dings-Krankheit…“
Sie stemmt die Hände in die Hüfte und schaut mich entrüstet an.
„Das war jetzt nicht witzig!“, schimpft sie. „Alzheimer kann jeder und jedem passieren!“
Aha! Claudia hatte es sicher wieder von ihrem Ur-Onkel Othmar. Der ist unterdessen weit über 80.
„Und wie äussert sich Alzheimer bei deinem Onkel?“
„Das ist eine lange Geschichte. Du weisst ja, dass er mit meiner Ur-Tante Josephine im Altersheim war…“
Eigenartig! Wenn es um ihre Mutter geht, gebraucht Claudia den Vornamen Uschi. Wenn es um andere Leute geht, ist es egal, dass sie URALT sind…
„Leben sie denn nicht mehr da?“
„Nun also… die Ur-Tante ist ja dann gestorben… Und er hat darauf versucht… bis man ihm gesagt hat… ihm ist also quasi…“
„Hallo! Erde an Mond! Kannst du dich deutlicher ausdrücken? Ich verstehe kein Wort!“
Sie schluckt. Und würgt es dann heraus: „Sie haben ihn vor die Türe gestellt!“
Was hat Claudia gerade gesagt? Einen alten Mann hat das Alters- und Pflegeheim vor die Türe gestellt? Das habe ich noch nie gehört! Was der wohl verbrochen hat?
„Aber das geht doch nicht!“, sage ich, „man kann doch nicht Pfelgebedürftige vor die Türe stellen.“
„Na ja, eigentlich ist ER ja nicht pflegebedürftig. Fährt ja auch mit 94 noch Auto.“
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