Neues von Frau Wunderlich, Surselva

Ich hatte Nicole zu mir eingeladen. Sie erschien in ihrem neuen, roten Wollmantel. Dazu trug sie grüne Stiefel. Ich beäugte ihre Erscheinung mit aufgerissenen Augen. Dies sei die angesagteste Farbkombination, versicherte sie mir. 

„Wie waren deine Ferien?“, fragte sie, kaum sass sie auf ihrem Stuhl. 

Ich winke ab. „Die Werbung hatte mich noch gewarnt: ‚Gehen Sie NICHT in die Surselva. Sonst wollen die Kinder plötzlich nach draussen!’“

Sie zieht ihre Augenbrauen hoch. 

„Wo liegt das Problem? Ist doch super, wenn deine Kinder hinaus wollen.“

„“Hinaus wollen! Spass wollen sie haben!“

„Aber immerhin in der Natur.“

„Natur! In erster Linie wollen sie konsumieren! Und dafür braucht es ein Portemonnaie. Und zwar meines!“

„Ach so. Aber wenn man so mit dem Bike unterwegs ist… Hat man sich da nicht hin und wieder etwas verdient?“

„Bike? Höchstens mit dem E-Bike mit grösster Unterstützung. Und lieber nur geradeaus. In der Surselva geht es fast nirgends geradeaus.“

„Oder eine mehrstündige Wanderung? Da liegt doch eine Belohnung schon drin.“

„Mehrstündig? Wanderung?“

„Sag bloss, ihr habt keine Spaziergänge gemacht.“

„Eventuelll vom Auto zum Kino. Oder zum Restaurant. Aber das ist schon anstrengend.“

„Was zieht denn deine Jungmannschaft hinaus?“

„Eher ein Seilpark. Oder Minigolf.“

„Ist doch gut. Sicher eine prima Challenge?“

„Für wen?“

Nicole ist überrascht. „Na, wohl für deine Kinder.“

„Haha! Das muss ja nicht alles so perfekt sein. Wenn du im Seilpark hängen bleibst, holt dich ja da schon einer von den Angestellten raus.“

„Echt?“ Sie überlegt. „Sag mal, da gab es sicher starke, attraktive Männer…“

„Nicole!“


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