Neues von Frau Wunderlich, Zvieriplättli 5

„Das ist ziemlich vertraut. Vermutlich waren die zwei nicht zum ersten Mal in dieser Bar. Es könnte gut seine Frau sein. Dafür spricht, dass sie ihn mit der Hand ohne zu zögern berührt hat. Wie hat ER sich denn ihr gegenüber verhalten?“

„Nicht auffällig. Ich glaube, er hat ihr etwas erzählt, das sie mindestens zeitweise amüsiert hat.“

„Ich könnte mir vorstellen, dass die zwei ein Ritual haben: Sie gehen sonntags am Abend zuerst auf einen Apéro. Später haben sie sich in der Nähe in einem Gourmet-Restaurant Plätze reserviert. Und verbringen dort bei einem Fünfgänger den ganzen Abend.“

„Ach, so romantisch!“

„Findest du?“

„Oh ja! Ich muss unbedingt Rolf von dieser Idee überzeugen.“

„Und wer von euch fährt nach den Drinks und dem guten Wein nachher heim?“

„Gar niemand! Da übernachten wir doch gleich vor Ort, in der Junior-Suite! Oder lassen uns von Nez Rouge heimfahren.“

„Fahren die bis Deutschland?“, zweifle ich.

„Lass das meine Sorge sein“, sagt Gerda.

„Was? Schon halb zwölf? Ich muss mich beeilen, Gerda. Sonst habe ich nichts auf dem Tisch, wenn die Kinder heimkommen.“

„KIINDER! Wie alt ist der Jonas, dein Ältester?“

„18“

„Da kann er doch wohl etwas für seine Geschwister kochen.“

„Kann er. Aber will er normalerweise nicht.“

„Und deine Tochter?“

„Die ist 14. Und sie mag es gar nicht, für ihre älteren Brüder kochen zu müssen. Also Gerda, bis dann…“

„Aber dein jüngerer Sohn…“

„Vergiss es. Geht schneller, wenn ich koche. Bis bald!“

„Ich habe dir noch gar nicht erzählt, was uns beim Zoll bei der Rückreise passiert ist. Das war so…“

Aber ich höre nicht mehr zu und eile heim. 


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