Jetzt kann ich definitiv nicht mehr: Zwei Kaffees, zwei Desserts… Aber Gerda macht noch keine Anstalten, aufzustehen. Sie würgt tapfer an einem dritten Sauerteigbrotschnittchen. Also mindestens ICH würde würgen. Vielleicht schmeckt es ihr ja wirklich…
„Ich schaute also, dass ich mit meinen Winterschuhen möglichst dort auftreten konnte, wo kein Schnee mehr auf dem Perron lag.“
„Warum betonst du das?“
„Zuerst einmal, weil ich nicht diejenigen Schuhe angezogen hatte, wo ich mit einem Stift Eiskrallen aus dem Absatz lösen kann. Damit ich auf Schnee oder Eis nicht ausgleite. Es hatte nämlich immer noch Schnee in den höheren Lagen.“
„Und zweitens?“¨
„Weil vor mir ein Typ ging. In kurzen Hosen. Mit nichts als Badetretern an den Füssen.“
„Weisst du denn nicht, dass es Männermode ist, in kurzen Hosen in den Ausgang zu gehen?“, belehrt Nicole Gerda.
„Bei dieser Kälte? Ist doch krank!“
„Genau. Wusstest du, dass krank heute dasselbe heisst wie früher in deiner Jugend krass?“
„A propos krass: Auf der Wade von dem Macker prangte ein Tatoo. In gotischen Buchstaben. Weshalb ich nicht lesen konnte, was dastand.“
„War es denn ein hübscher Kerl?“
„Ach wo! Hatte einen Flaum von Bart um den Mund. Das sah etwa so aus, wie ein Hühnerpopo im Vogelnest!“
Gerdas Vergleiche sind zum Brüllen! Wir lachen uns fast kaputt.
„Und dann seine Mütze! Ohne Bommel. Bis über die Ohren gezogen. Ohne Muster. Absolut langweilig!“
„Und dann?“
„Habe ich ihn aus den Augen verloren. Ich glaube, ihm wurde kalt. Ist eilenden Schrittes Richtung Kirche davongegangen…“
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