Nicole winkt lässig ab. „Ist doch in dieser Saison Mode! Nichts Aussergewöhnliches!“
Gerda wirkt enttäuscht. „Dann hat sie mich gefragt, in welche Richtung der Zug fahre. Ich war ganz verdattert und sagte, ich wüsste es selber nicht sicher.“
„Und dann?“
„Hat sie gekichert und gemeint, es spiele eigentlich keine Rolle, sie könne notfalls auch rückwärtsfahren!“
„Verrücktes Huhn“, entfährt es mir.
„Sie fläzte sich dann in den Sitz, zog ihr Handy hervor und tippte in kurzen Abständen immer wieder kurz drauf.“
„Wahrscheinlich ein Chat. Oder ein Game“, vermutet Nicole.
„Dachte ich zuerst auch. Doch als ich in einem günstigen Moment hinsah, merkte ich, dass sie Schach spielte. Gegen ihr Handy!“
„Was? Schach? Wie alt war denn dieses Mädchen?“
„Keine Ahnung. Die war richtig schwierig zu schätzen. Sie hätte 19 oder 37 sein können.“
Nicole kichert. „Warum denn gerade 19 oder 37?“
Gerda wird rot. Und verlegen. „Weil meine Tochter 19 ist…“
Nicole beobacht sie scharf. „Und 37?“
Gerda legt die Arme übereinander und zieht die Schultern hoch. Ich merke, es ist ihr peinlich.
„Och… der Arturo ist doch 37…“
Nicole schaut mich überrascht an und schluckt eine Bemerkung herunter, die ihr schon auf der Zunge liegt. Wahrscheinlich möchte sie wissen, woher Gerda das weiss.
„Hast du nicht gefragt, ob du ein Foto von ihr machen darfst?“, fragt sie dann.
„Warum hätte ich das tun sollen?“
„Du solltest dir langsam eine Sammlung zutun, ein Album anlegen. Da triffst du immer so spezielle Menschen…“
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