Neues von Frau Wunderlich, Der neue Nachbar III, 3

Der Tag vergeht schnell. Mein Nachbar war so nett, mir den Vorplatz frei zu schaufeln. Ich habe ihm dafür beim Discounter Schokoladefläschchen gekauft. Mit verschiedenen Schnäpsen drin. Er hat sich zwar dafür bedankt, aber auch gesagt, dass dies ein ideales Geschenk sei für seine reiche Erbtante, die im Altersheim liege. Wahrscheinlich hätte er lieber eine ganze Flasche Hochprozentigen bekommen…

Habe dann noch meinen Mann im Spital besucht. Die Operation verlief erfolgreich, und er meint, er kann in wenigen Tagen nach Hause zurückkehren. Ich solle ihm doch noch Krücken besorgen. Und etwas wärmere Kleidung für die Heimfahrt. 

Am selben Abend noch treffe ich Nicole. Sie wirkt etwas niedergeschlagen.

„Na, kein Erfolg gehabt mit deinem Nachbarn?“, erkundige ich mich.

„Ach hör mir auf mit DEM!“

„Was ist denn passiert?“

„Ich habe ihn gefragt, ob er mir den Weg frei macht vom Carport bis zur Strasse…“

„Und?“

„Sagt er doch: ‚Das würde ich gerne tun, Nicole. Aber du weisst: Ich bin ein Nerd. Ich habe zwei linke Hände. Wenn ich schon nur daran denke, dass ich Blasen bekommen könnte, habe ich schon Handschmerzen. Stell dir vor, ich könnte nicht mehr an meinem Computer arbeiten! Das wäre eine Katastrophe!‘ Ich sage ihm – mit Tränen in den Augen – wie wichtig mir ist, dass die Ausfahrt frei ist. Aber er meint nur: ‚Der Hauswart ist dafür da. Er macht das sicher gern… Oder mach es schnell selber, ich lade dich danach zu einem feinen Kaffee ein.’“

„Das war alles?“

„Jaaaa! Nicht einmal richtig angesehen hat er mich! Hat nur auf seinen bedepperten Bildschirm gesehen und wie wild auf seine Tastatur gehackt!“

„Und dann?“

„Nichts ‚Und dann‘! Sagt er doch noch: ‚Du entschuldige, ich muss gerade arbeiten‘ und nickt noch mit dem Kopf Richtung Türe!“

„Es nähme mich Wunder, was DER denn immer arbeiten muss…


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