„Du meinst: Alle Hindernisse entfernt?“, grinst Nicole. „Wie sieht er denn aus? Schaufelt dein Nachbar normalerweise vor dir oder eher später?“
Ich werde ein wenig verlegen. Habe mir noch nie Gedanken gemacht, wie mein Nachbar aussieht. Halt durchschnittlich. Bisher wäre es mir jedenfalls nicht eingefallen, mich seinetwegen besonders hübsch anzuziehen.
„Meistens ist er vor uns am Schaufeln. Und jetzt ist ja mein Mann im Spital. Mit einem komplizierten Beinbruch.“
„Dann solltest du rausgehen, wenn er anfängt zu räumen. Hast du eine alte Schaufel? Präpariere sie vorher: Löse den Nagel oder die Schraube etwas vom Stiel. Sorge dafür, dass sich die Schaufel möglichst bald löst. Dann musst du gut Theater spielen können.“
Diese Nicole! Wirklich ein raffiniertes Weib!
„So Tränen herausdrücken? Jammern?“
„Sogar richtig hysterisch werden! Heule ihm ‚was vor! Dass du so unmöglich deinen Mann im Spital besuchen kannst.“
„Du denkst, das genügt?“
„Ist es ein hübscher Nachbar?“, erkundigt sich Nicole nun bereits zum zweiten Mal.
Ich werde rot. „Es geht. Und denk daran, Nicole, ich bin verheiratet.“
„Ach, komm schon! Du musst ja nicht gleich mit ihm ins Bett! Kannst ja einfach seine Nähe geniessen!“
„Nein, das könnte ich nicht. Glaube ich.“
„Aber du könntest ihn fragen, ob er dich ins Spital fährt, wenn er die Einfahrt nicht für dich frei schaufeln will.“
Ich zögere. Natürlich wäre das eine Möglichkeit. Aber mein Nachbar ist bekannt dafür, dass er hin und wieder ein Gläschen koppt. Oder einen ‚zwitschert‘, wie er dies nennt. Und er meint damit nicht Twitter!
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