Schulleiterbüro 3

„Wahrscheinlich: Herr Rechtsteiner hat sich aufgeregt, weil wir die Couverts nicht richtig angeschrieben haben.“

„Du weiss schon, wie sie mich hinter vorgehaltener Hand nennen?“

Alfons hütete sich, seinem Kollegen zu gestehen, dass er Bescheid wusste.

„Nein. Keine Ahnung!“

Rechtsteiner würgte die Aliasse heraus: „Klugscheisser. Und Besserwisser. Und das sind noch die netteren Ausdrücke!“

Alfons blickte unauffällig auf seine Uhr. Dennoch bemerkte sein Kollege die Geste. 

„Wie auch immer… Merci fürs Zuhören. Fühle mich wirklich ein wenig besser.“ 

Er stand auf und ging.

„Und ich fühle mich als Stammbaum oder Laterne für pissende Hunde“, murmelte Alfons. „Aber Hunde, die bellen, beissen nicht…“

Was hatte diese Mutter gesagt? Der Werklehrer habe ihren Sohn angeschrieen? Und am Arm gepackt? Dieser Lehrer sei frech und eine Zumutung für Jugendliche?

Alfons hatte versprochen, mit dem Lehrer und dem Schüler zu sprechen. Er hatte der Mutter aber auch gesagt, dass ER persönlich keine Stellung beziehe, bevor er BEIDE Seiten gehört habe. 

„Ja, das habe ich mir schon gedacht“, sagte die Mutter aufgebracht. „Sie sind eben auch gegen Ausländer.“

Alfons war nicht auf diesen Vorwurf eingegangen, hatte aber versprochen, sich bis Ende Woche bei ihr zu melden.

Der Werklehrer beschrieb Alfons seine Sicht der Dinge. Er hatte den Schülerinnen und Schülern den Auftrag gegeben, mit der Schere einen Kreis aus Halbkarton auszuschneiden. Leon habe daraufhin versucht, das kleine Stück mitten aus einem grossen Papierbogen zu schneiden. Gerade noch rechtzeitig habe er dies gesehen. 


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