Rechtsteiner hatte Mühe, sich zu beherrschen. „Irgendwann geht es aber ‚raus in die Berufswelt! Da erwartet der Chef,…“
„…oder die Chefin…“
„…dass man – oder auch Frau – Aufträge entgegennehmen und selbständig ausführen kann.“ Rechtsteiner verschluckte sich und kriegte einen Hustenanfall. „Dann habe ich gesagt, sie sollen ein Couvert mit der Adresse von einem Elternteil anschreiben. Du glaubst es nicht: Die meisten Umschläge musste ich wegwerfen. Die haben keine Ahnung, wie man einen Brief anschreibt.“
Alfons gluckste. Er unterdrückte mit knapper Not ein Lachen. „Erstaunt dich das wirklich? Heutzutage schreibt doch niemand mehr Briefe. Erst kürzlich hat die Dänische Post bekannt gegeben, dass sie die Briefzustellung einstellt, weil sich die Beförderung nicht mehr lohnt.“
„Aber für die Bewerbung? Da sollten doch unsere Schüler und Schülerinnen in der Lage sein, ihre Unterlagen mit der Post einzureichen.“
Alfons schüttelte den Kopf. „Die meisten Betriebe ermöglichen heute die Bewerbung über das Internet. Ein kurzes Schreiben, alle wichtigen Unterlagen im Anhang und Schwupps! Weg damit.“
Rechtsteiner seufzte. „Habe dann eine Vorlage an die Tafel gemacht. Die Liridona hat dann bei der Adresse geschrieben: Anrede, Vorname, Nachname, Funktion, …“
Alfons kicherte.
„Jaja, wirkt lustig für andere. Aber ICH verzweifle langsam!“
„Nimm’s doch nicht so schwer“, riet Alfons. „Sie sind ja in der Schule, um etwas zu lernen.“
„Nimmt mich bloss wunder, was sie in ihrem Lerntagebuch schreiben werden…“
Hinterlasse einen Kommentar