Schulleiterbüro

Alfons legte seine Unterlagen sorgfältig ausgerichtet auf seinem Bürotisch ab. Er hatte soeben ein anstrengendes Gespräch hinter sich gebracht. Mit einer Mutter, die sich über den Werklehrer beklagte.

Da betrat sein Kollege Rechtsteiner das Büro. Seine Frisur war in einem desolaten Zustand. Erstaunt hob Alfons die Augenbrauen.

„Jaja, ich habe mir die Haare gerauft“, gab der andere zu, der Alfons‘ Blick bemerkt hatte. „Hast du etwas Zeit? Ich muss meinen Frust loswerden und meinen Kropf leeren.“

„Setzt dich doch“, sagte Alfons. „Was ist dir denn über die Leber gekrochen?“

Seufzend liess sich Rechtsteiner auf den Stuhl plumpsen. Das war überhaupt nicht typisch für ihn. Sonst wirkte er immer leicht federnd und locker. 

„Ich habe ja die Siebtklässler seit dem Sommer“, begann er. „Nun haben wir Valentinskarten vorbereitet. Ist ja bald Februar… So Popup-Karten, ganz einfach, mit einem Herzen, das aufklappt, wenn man die Karte öffnet. Für Papa oder Mama… Mal wieder etwas von Hand machen, nicht nur wischen mit dem Finger“, grinste er schief. „Da hat doch die Jasmina versucht, die Schere mit Zeige- und Mittelfinger zu benutzen. Auf Nachfrage meinte sie, sie hätte das halt weder in der Unter- noch in der Mittelstufe gelernt.“

„Und zu Hause wohl auch nicht?“

Rechtsteiner verdrehte die Augen. „Dort erst recht nicht… Beim Basteln könnte ja etwas schmutzig werden oder die Polstergruppe könnte plötzlich Löcher bekommen. Abgesehen davon, dass die Mutter die langen künstlichen Fingernägel abbrechen könnte, wenn sie mithelfen würde…“

„Und wegen DEM regst du dich auf?“

„Nicht doch. Darauf hat der Leonit statt einen Tropfen Leim einen halben See auf das Herz gedrückt. Im Nu war die ganze Karte klebrig…“

„Kann ja ‚mal passieren.“


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