Neues von Frau Wunderlich, Winterjacke 4

„Habe ihr gesagt, dass ich das seit dem Textilen Werken in der Schule nicht mehr gemacht hätte. Ausserdem habe ich gar keine Nähmaschine. Und dann habe ich einen Fehler gemacht…“

„Hast du ihr versprochen, dich darum zu kümmern?“

„Nein, ich habe ihr geraten, zu Julietta zu gehen mit ihrem Problem.“

„???“

„Meine Grossmutter… Uschi ist ausgeflippt. ‚Sicher nicht! Ich gehe doch nicht zur Oma!“

Ich grinse. „Die hat eine Nähmaschine, nehme ich ‚mal an.“

„Genau. Eine uralte Singer. Immerhin elektrisch. Aber ohne Schnickschnack und Firlefanz. Kein Bildschirm, keine Tasten, sondern noch Schalter und Drehregler.“

„Und deshalb ist die – Uschi – ausgerastet?“

„Vielleicht nicht. Aber weil ihr das Wort ‚Oma‘ rausgerutscht ist. Du weisst schon: Wir sind ja in ihrem Kopf etwa alle gleich alt. Oder besser gesagt: jung.“

„Was hat deine Oma gemeint?“

„Sie sagte, sie sei nun bald 90 und sehe keinen Grund, als Ururgrossmutter in Spe einer Urgrossmutter in Spe beim Nähen zu helfen. Es sei langsam Zeit, dass sie ihre Porbleme selber löse.“

„Deine 19jährige Tochter ist schwanger?“

Claudia sieht mich schräg an. „Das nicht. Aber sie macht sich einen Spass daraus, Uschi anzukünden, sie mache sie nächstens zusammen mit einem Mann aus dem Sudan zur Ur-Oma.“

„Warum denn das?“

„Na, Uschi äussert sich manchmal rassistisch…“

„Aber deine Oma… hat sie schliesslich nachgegeben?“

„Nee. Hat aber Uschi immerhin einen Trick gezeigt: Schal dreimal um den Hals legen und schon hängt er nicht mehr bis zu den Schuhen ‚runter… Und gibt erst noch ziemlich warm.“ Sie kichert.

„Ich wette, du fährst nächstens mit Uschi wieder nach Deutschland, jetzt, wo es so kalt geworden ist.“

„Hör bloss auf. Wird ja am Freitag bereits wieder etwas wärmer!“


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