Neues von Frau Wunderlich, Renovation

Wir sitzen bei Nicole. Also Gerda und ich. Sie hat angefeuert, es ist wunderbar warm, verglichen mit der Bise draussen, die einen in wenigen Augenblicken zittern lässt. Aus den Lautsprechern tönen alle Hits von ABBA, vor uns stehen verschiedene Schälchen mit Apéro-Gebäck und ein Sauerteigbrot. Wir haben alle einen Drink vor uns.

„Tut mir leid, dass wir in meiner uralten Wohnung sitzen müssen“, entschuldigt sich Nicole.

Ihre Wohnung ist kaum zehn Jahre alt. Aber Nicole ist für ihren Perfektionismus bekannt. 

„Im neuen Jahr möchte ich die Wände neu machen.“

„Du malst sie selber?“, frage ich erstaunt.

„Wo denkst du hin! Ich mache die Vorarbeit: Alles, was im Weg ist abhängen, ausräumen, abwaschen und dann für die Malerarbeiten abdecken…“

Gerda schüttelt den Kopf. 

„Das würde ich alles delegieren. Diese Vorarbeiten nehmen ja die meiste Zeit in Anspruch. Ich würde bloss malen…“

Interessiert sehe ich von einer zur anderen.

„Auf gar keinen Fall!“, widerspricht Nicole. „Es sollte doch schön werden, wenn du ‚was machen lässt, sonst musst du gar nicht erst anfangen.“

„Aber ich kann gut und schön malen!“

„Selber machen ist Pfusch! Irgendein Fehler machst du sicher! Du bist ja kein Profi und hast auch nicht die professionelle Ausrüstung!“

„Blödsinn! Das geht bei mir ziemlich schnell. Und sieht gut aus nachher! Und es kostet nicht viel.“


Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar