Nach zwei Wochen lädt mich Nicole zum Brunch ein. Ich bin natürlich etwas angespannt. Zum ersten Mal werde ich ihre 4 1/2-Zimmer-Wohnung sehen! Da gibt es bloss ein kleines Problem: Was nehme ich als Geschenk mit? Ich kann ja nicht mit leeren Händen kommen. Vielleicht einen Kuchen? Aber Nicole will ja abnehmen. Und es könnte einer sein, den sie nicht mag. Vielleicht ein Buch? Aber ich habe keine Ahnung, was sie so liest. Oder Besser eine Handarbeit? Bloss müsste ich dafür die Wohnungseinrichtung kennen. Vielleicht doch besser eine Pflanze. So eine Orchidee passt doch sicher überall.
Die letzte Zeit war etwas mühsam. Ich musste ständig Gerda aus dem Weg gehen. Zum Teil musste ich durch die Hintertüre, weil sie mir vorne abpassen wollte. Ich kann ihr doch nicht sagen, dass ich ihre Rezepte immer noch nicht ausprobiert habe! Einmal hat sie sogar angerufen. Ich habe gesagt, dass ich krank sei.
Um fünf Minuten nach neun läute ich bei Nicole. Es geht längere Zeit. Dann öffnet sie. Sie wirkt leicht erhitzt. „Uff!“, keucht sie, „jetzt wäre ich fast nicht fertig geworden!“ Sie atmet lautstark aus. „Ich bin mich nicht gewohnt, für drei zu tischen. Und ich wollte doch alles etwas stilvoll herrichten.“
Warum für drei, frage ich mich.
Als ich die Essküche betrete, erschlägt es mich fast: Der grosse Tisch ist überhäuft mit Esswaren: Ausser dem Hauptdarsteller Brot hat es noch Müesli, Früchte, Lachs, drei verschiedene Trinkgläser pro Person und jede Menge Dekoration: Kerzen, Servietten, Blumen und Weihnachts-Engel. Fast hätte ich übersehen, dass da noch eine Person am Tisch sitzt: Gerda!
„Hallo Gerda“, sage ich überrascht.
„Wie geht’s dir?“, fragt sie mit zusammengekniffenen Augen. „Ich dachte, du bist krank?“
„Geht mir schon wieder etwas besser“, hüstle ich.
Nicole strahlt. „Dann können wir ja mit unserem Brunch beginnen! Was trinkt ihr? Kaffee, Tee, oder am Ende ein Cüpli?“
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