Neues von Frau Wunderlich, Ausfahrt

Ich treffe wieder einmal Claudia.

«Wie geht es dir?», frage ich sie und mache mich auf eine neue Krankheitsgeschichte gefasst.

Sie winkt ab. «Mir geht es eigentlich recht gut. Aber was die Uschi mitgemacht hat…»

Uschi nennt sie ja ihre Mutter. Weil diese nämlich nicht alt erscheinen möchte. Obwohl sie doch über 60 ist!

«Was sie denn krank?»

«Nein, das nicht», sagt Claudia in einem Ton, wie wenn das Erlebte viel schlimmer als ein Gesundheitsproblem gewesen sein müsste.

«Was ist denn passiert?», frage ich erschrocken. Bin aber auch richtig neugierig geworden.

«Nun, mein Vater hat von seinen ehemaligen Arbeitskollegen einen Gutschein für eine Adventsfahrt bekommen. Mit dem Roten Doppelpfeil.»

«Was ist denn das? Hat das etwas mit Wilhelm Tell und Gessler zu tun?»

«Nein, wo denkst du hin! Das ist so ein roter antiker Triebwagen, der Nostalgiefahrten macht.»

«Das klingt interessant. Da hat sie sich sicher drauf gefreut.»

«Gefreut? I wo! Das gibt doch nichts als Probleme! Was ziehst du an, wenn es im November schon kühl wird am Abend? Kommt dazu, dass es in solch alten Fahrzeugen immer zieht. Und dann diese unbequemen Sitze! Und durchgeschüttelt wird man da auch. Solche Fahrzeuge aus dem letzten Jahrhundert hatten doch noch keine gute Federung.»

«Schon, aber…»

«Und dann das Essen! Die haben doch garantiert keine gute Küche an Bord!»

«Aber…»

«Da sitzt du eng nebeneinander und fängst dir garantiert eine Krankheit ein! Das ist sogar MIR klar. Also ich würde da auch nicht mitfahren wollen.»


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