Wenig später läuft mir Gerda über den Weg.
«Hast du mein Sauerteig-Rezept schon ausprobiert?», will sie wissen.
Siedend heiss fällt mir ein, dass sie mir vor drei Tagen ein Rezept aufgeschwatzt hat. Selbst, nachdem ich mich kritisch geäussert hatte – besonders in Bezug auf den Zeitaufwand.
«Äh, nein, kam noch nicht dazu…»
«Es ist wichtig, dass du dir die Zeit dazu nimmst», sagt sie, «eine gesunde Ernährung ist heutzutage äusserst wichtig!»
«Gewiss», stimme ich vorsichtshalber zu.
«Erinnerst du dich? Am ersten Tag musst du den Teig ansetzen», beginnt Gerda. Meine Gedanken schweifen unterdessen ab, versuche mich zu erinnern, was ich noch einkaufen sollte, denn ich habe den Zettel zu Hause vergessen.
«Roggenmehl und Wasser gut verrühren und in ein SAUBERES Weckglas einfüllen. Den Deckel darfst du nur lose auflegen. Dann lass es bei Raumtemperatur 48 Stunden stehen.»
«Das vergesse ich doch glatt am dritten Tag!» Habe ich noch Äpfel zu Hause?
«Unmöglich! Der Teig wirft nun Blasen und riecht nach reifen Bananen. Nun fütterst du den Teig.»
«Was? Wie? Kann der essen? Brauche ich auch noch ein Lätzchen, damit er nicht sabbert?» Ich stell mir vor, wie der Teig im Hochstühlchen sitzt, mit einem Latz oben rum.
Gerda rollt die Augen. «Mann, bist du blöd! Das sagt man halt so! Du gibst wieder Wasser und Roggenmehl in ein sauberes Glas! Dann 50 g vom alten Teig dazu, den Rest entsorgen…»
«Da wirfst du einfach die Arbeit von drei Tagen weg? So ein Blödsinn!»
«Kannst ja ein Vielfaches an Brotteig ansetzen, dann kannst du alles verwenden! Nun lässt du also wieder alles 24 Stunden ruhen. Das machst du jeden Tag, 9 Tage lang»
«Und wann kann ich endlich Brot backen? Da bin ich ja längst verhungert!»
«Am neunten Tag kannst du 2 Esslöffel Wasser und 2 Esslöffel Roggenmehl verrühren, ein Teelöffel Sauerteigkultur darunter. Dann in ein Weckglas von 1,5 l gut verschliessen, in den Kühlschrank stellen.»
«Und jetzt kann ich aus dem Teig Brot backen?» Ich glaube, Milch brauche ich auch noch.
«Von nun an kannst du jede Woche die Sauerteigkultur auffrischen, das heisst gut durchrühren. Das Rezept für das Brot habe ich dir doch gegeben?»
«Ich glaube schon…»
Gerda schaut mich kritisch an. «Ich lege dir das Rezept in den Briefkasten. Es ist äusserst wichtig, dass du dich gesund ernährst! Sauerteigbrot bietet dir jeden Tag einen optimalen Einstieg!»
«Sag einmal, hast du eigentlich Sauerteigbrot-Aktien?», frage ich.
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