Neues von Frau Wunderlich, Operette 5

Natürlich braucht es noch ein zweites Pärchen, genau wie in der Comedia del Arte. Da ist der Maler, und sie liegt ihm Modell. Nein, nicht nackig, sondern züchtig in zeitgemässer (langer) Unterwäsche. Der arme Künstler lebt auf Kosten des Grafen von Luxemburg, der nicht nur Gourmet, sondern auch Mäzen ist. Und jetzt das Atelier braucht, um die Heirat zu vollziehen. Ein Bilderrahmen mit der «Notre Dame im Winter» (weiss auf weiss) wird zum Paravent umfunktioniert. Durch diesen wird der Pakt der Ehe geschlossen. Und natürlich wird schon nur durch die dargereichte Hand die Sehnsucht des Luxemburgers geweckt.

Nein, ich möchte nicht das ganze Libretto verraten. Aber diese rauschenden Kleider! Man kann sich fast nicht satt sehen! Dazu kommen drei Ballett-Frauen, die sich anmutig im Voder- (oder auch Hinter-)Grund bewegen. Dies meist, wenn die Hauptakteure am Singen sind, und die Handlung deshalb gerade stillsteht.

Wie viele Stunden haben da geschickte Hände Falten gelegt, Säume gestickt und Rundungen gepolstert? Wie viele Proben waren zu dieser gelungenen Vorführung nötig? Wer leistet da alles im Hintergrund Unterstützung? Angefangen beim Parkdienst, weiter bei der Garderobe, beim Buffet und aufgehört beim Reinigungs-Team?

In der Pause trinken und knabbern die meisten etwas. Wir treffen die Frau Nachbarin. Sie färbt zwar die Haare immer noch, aber auch sie ist älter geworden. Ihre Falten im Gesicht haben sich in veritable Gräben verwandelt. Aber alle Achtung: Sie hält sich aufrecht und hellt die Umgebung auf mit ihrer guten Stimmung.


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