Neues von Frau Wunderlich, Operette 3

Im grossen Foyer geben wir unsere Mäntel ab und bekommen ein Programm. Es ist spannend, diese unterschiedlich bekleideten Menschen zu betrachten. Da erkennst du schnell die Leute mit einem gewissen Niveau: Besonders gepflegte Frisuren, lange Abendkleider, glitzernden Schmuck und schicke Handtaschen. Zugegeben, bei den Herren ist das etwas schwieriger. Nach schwarzem Anzug und Krawatte ist meist schon Schluss. Aber da machen vielleicht die Manieren den Unterschied: Türe aufhalten, Getränke für die Dame holen und ein schwungvoller Blick auf die teure Armbanduhr.

«Schatz, wir könnten langsam…»

Der erste Gong ertönt. Wir streben unserem Sitzplatz zu. Der Platz neben mir ist frei. ‘Das ist gut’, denke ich erst, denn so kann ich Programm und Handtasche auf die Sitzfläche rechts von mir legen. Aber dann fällt mir der Nachteil ein. Wenn niemand neben mir sitzt, ergeben sich keine aufregenden Gespräche. Allerdings: Dann regt mich auch kein Nachbar auf! 

Der zweite Aufruf erfolgt. Die Musiker und Musikerinnen stimmen noch die Instrumente. Ich schiebe mir noch einen Halsfeger in den Mund, damit ich nachher in der Ouvertüre nicht huste. Ich suche die Hand meines Mannes und drücke sie. 

«Gleich beginnt die Operette!»

Er lächelt mir zu. Dann geht das Licht aus. 


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