Neues von Frau Wunderlich, Operette 2

Habe mich vom Schrecken kaum erholt, als mir von einem Trottoir runter ein Primarschüler mit seinem E-Scooter vor der Nase auf die Strasse fährt. Zum Glück kann ich noch bremsen. «Bist du überhaupt schon 14?», rufe ich ihm erbost nach.

Er dreht sich nicht einmal um, zeigt mir nur den Mittelfinger.

Atme jetzt ziemlich. Aber nicht, weil es bergauf geht. Muss meine Wut wegschnaufen. Und mich auf meinen Einkauf konzentrieren. Da fällt mir ein, dass ich noch passende Schuhe zu meinem Rock haben müsste. Ich kann doch nicht mit Jogging-Schuhen oder Moon-Boots ein Abendkleid ausführen!

Nachdem ich also über 20 Strümpfe gekauft habe – die ersten haben schon einen Riss, wenn ich sie über die Zehen gezogen habe – eile ich in den Schuhladen. Den verlasse ich mit drei Paar Schuhen: Einen mit hohen Absätzen, einen mit hübscher (hoffentlich passender) Deko und eine Sandalette. Da müsste ich mich bei diesem Herbstwetter allerdings in der Garderobe noch umziehen. 

Ich würde dann aber auch ziemlich viele Blicke auf mich ziehen. Das würde mir gefallen. Aber da ist die Gefahr auch grösser, dass mir ein Missgeschick passiert. Dann ist mir das sehr peinlich und ich möchte im Boden versinken. Wahrscheinlich ziehe ich doch die Schuhe mit den hohen Absätzen an. Ein Kompromiss. Und ich werde mir die Stellen mit Pflaster versehen, die am ehesten zu Blasenbildung neigen: Zehen und Ferse.


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