«Ich stelle mir halt vor, wie es wäre, wenn es mir schlecht ginge», sage ich, und ich deute Heiner mit einem Augenwink zu Kari. «Es gibt sicher Menschen, die unverschuldet in eine solche Lage kommen. Stell dir vor, jemand wird arbeitslos, wird Opfer in einer Beziehung oder verschuldet sich…»
«Aber da gibt es doch Arbeitslosen-Gelder, das Sozialamt, kostenlose Schuldenberatung…», knurrt Kari. «Da wird einem geholfen!»
«Ja, wenn du dich nicht schämst, solche Hilfen in Anspruch zu nehmen.»
«Ich staune einfach immer wieder, wie viele Menschen dasitzen und betteln», sagt Heiner. «Fast könnte man meinen, dass das mehr einbringt, als zu arbeiten.»
Ich bleibe einen Moment still. Also meine Frau, die gibt jedem Bettler – und jeder Bettlerin natürlich – einen Batzen. Sie findet, das belebt unseren Alltag. Sie zieht mich auch regelmässig zu diesen Musikanten hin.
«Siehst du», sagt sie, «DA ist das Leben. Nicht an der Börse, wo sie im Geld ersticken! Na los, mach nicht so ein tristes Gesicht! Lächle! Beweg dich zum Rhythmus! Oder hör halt mindestens ein paar Minuten zu!»
Heiner ist nun doch etwas nachdenklich geworden. «Wie schafft man es aber, diejenigen hier zu haben, die etwas bieten fürs Geld, und die anderen wegzuschaffen, die nur dasitzen und ein Schild vor sich haben mit «Habe Hunger!»?»
«Wir sind ein christliches Land», sagt Kari. «Jesus sagt, wenn man einem Armen etwas gibt, so gibt man IHM etwas. Oder mindestens so ähnlich.»
«Wusste gar nicht, dass du so bibelkundig bist.»
«Täte dir vielleicht auch ganz gut. Jesus hat viele wichtige Dinge gesagt. Aber die Kirche hat Vieles ins Gegenteil gedreht…»
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