«Und er?»
«Hat mich so traurig angeschaut. Da sind mir fast die Tränen gekommen. Ein hübscher Kerl. Und seine nicht minder hübsche Frau. Die die ganze Zeit gar nichts gesagt hat. Nur mit beschämtem Blick dabei stand…»
«Und dann?», will Kari wissen.
«Dann sagt er, sie hätten schon drei Tage nichts mehr gegessen…»
«Uiii! Da wurdest du ja richtig weich geklopft!», entfährt es mir.
Heiner seufzt. Schliesslich habe ich mein Portemonnaie hervor genommen. Und ihm zwanzig Franken geben wollen…»
«Ist er mit deinem Geldbeutel getürmt?»
«Das nicht. Aber ich hatte nur noch einen Fünfziger als kleinste Note!»
«Ach du dickes Ei!», entfährt es Kari. Ich meine in seinen Augen lesen zu können, dass er gerne die dreissig Franken gehabt hätte, die der Gauner einfach so zu viel erhielt. «Hast du das nicht der Polizei gemeldet?»
Heiner schüttelt den Kopf. «Die können doch nichts machen. Bis die dort sind, ist der längst getürmt. Oder hat auf einem anderen Platz ein Opfer gefunden.»
«Es gibt wirklich immer mehr Leute, die einem Geld abknöpfen wollen», sage ich. Kaum habe ich es gesagt, durchfährt mir wie ein Blitz, dass ja auch Kari nicht viel verdient. Und um einen Zustupf hin und wieder froh wäre.
«Ja, zum Beispiel diese Musiker», haut Heiner in die gleiche Kerbe. «Die sitzen da, blasen gelangweilt in ein Instrument oder zupfen daran herum, und du hörst genau, dass sie keine Ahnung von Musik haben.»
«Brauchst ja nichts in den Hut vor denen reinzuwerfen», brummelt Kari.
«Gibt ja aber auch solche, die tolle Musik machen», gebe ich zu bedenken.
Heiner grinst. «Du bist sicher einer von denen, die stehenbleiben, applaudieren und eine Note geben!»
«Faules Gesindel», schimpft Kari, «die könnten doch arbeiten!»
«Aber das ist doch Arbeit», wende ich ein. «Wenn so einer – oder auch eine – schon nur eine Stunde da kniet, und die die Hände bittend entgegenstreckt… Und dann noch beschämt den Kopf senkt!»
«Bah!», sagt Heiner, «die haben das geübt. Das sind Schauspieler. Und in Banden organisiert. Am Abend fahren die in einem Mercedes nach Hause!»
«Eigenartig, dass man diese Geschichte immer wieder hört. Hast du sie denn einmal selbst überprüft?»
«Warum nimmst du diese Leute so in Schutz?»
Hinterlasse einen Kommentar