Aus der zweiten Reihe, Gauner 2

Heiner kann kaum noch an sich halten. Es schüttelt ihn. Dann platzt er vor Lachen. 

«Hast du dich auf den Tausch eingelassen?», frage ich.

«Kam mir nicht im Traum in den Sinn», schüttelt Kari den Kopf. «Es fiel mir ein, dass es in letzter Zeit immer mehr Trickbetrüger und Trickbetrügerinnen gibt. Vielleicht wollte mich der Mann ja übers Ohr hauen.»

«Oder mindestens den Einfränkler im Wagen erben», grinst Heiner. 

«Oder dich mit Wechselgeld reinlegen», ergänze ich.

«Eigenartig war jedenfalls, dass der Mann kurz darauf verschwunden war. Ich ging noch ums Gestell herum, dann zur Kasse, aber ich habe ihn nicht wiedergesehen.»

Heiner streckt auf. Wie früher in der Schule. Hat wohl Angst, dass ihm jemand zuvorkommt und er dann SEINE Geschichte vergisst. 

«Also ich hatte kürzlich auch eine eigenartige Begegnung», fängt er an. 

«Hast du einen Alien angetroffen?», zündet ihn Kari an.

«Blödmann!» Heiner schüttelt den Kopf. «Ich kam vom Bahnhof, ging durch die Unterführung und wollte gerade in eine Seitengasse einbiegen. Da kommen eine Junge und ein Mädchen auf mich zu.»

«Entschuldigung, Sie sprechen Italienisch oder Französisch?», fragt der Bursche. 

«Oui, un peu.»

«Dann erzählt er auf Französisch, dass er Rumäne sei. Seine Frau und er hätten kein Geld für das Billett. Er macht ganz auf Maria und Josef. Macht mir auch weis, dass sie keine Unterkunft hätten. Ob ich nicht wenigstens etwas Kleingeld hätte? Oder eine günstige Unterkunft? Wie mein Name schon wieder wäre?

In meiner Dummheit sage ich: Heiner. Ob er nicht meine, Heiners, Telefonnummer haben könnte? Falls er keine Unterkunft finde… Und mit einem in der Hundeschule geübten Blick fragt er mich, ob ich ihm nicht einen Batzen twinten könnte.»

«Und?», frage ich, «was hast du ihm gegeben?»

Heiner schaut mich nicht an. «Habe versucht zu lügen. Ich hätte mein Telefon nicht dabei. Und auch kein Portemonnaie.»


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