Aus der zweiten Reihe, Gauner

Die Serie „Aus der zweiten Reihe“ geht langsam zu Ende...

Wir sitzen bei mir zu Hause. Nimmt mich schon Wunder, wie sich der Kari HEUTE vorbereitet hat. Er will ja ganz offensichtlich nicht, dass wir über seine Situation sprechen. Ich habe auf dem Küchentisch Bier und Chips bereitgestellt.

«Aber dass du mir dann nicht alles allein wegisst!», ermahnte mich Renate noch, bevor sie zu ihrer Freundin geht. Die zwei wollen zusammen im Kino einen Film ansehen.

Kaum sind wir in der Küche, Heiner hat noch gar nicht Platz genommen, da fängt Kari schon an.

«Neulich in der Migros…»

«Hast du nicht gesagt, dass du nicht in diese Discounter-Läden gehst?», fragt Heiner.

Kari räuspert sich. «Weisst du, seit ich von der Firma kürzer gehalten werde, kommt es nicht mehr so drauf an… Jedenfalls: Da bin ich also am Einkaufen. Kommt ein grosser, etwas schlaksiger Mann auf mich zu. Er hat einen Regenmantel an. In der linken Hand trägt er einen Einkaufskorb. Mit der rechten schiebt er seine Brille hoch. 

«Entschuldigung», spricht er mich an, «könnten Sie mir Ihren Einkaufswagen geben?»

Heiner gluckst, und ich schaue Kari erwartungsvoll an. 

«Entgeistert starre ich den Mann an und frage: Warum sollte ich das tun?»

«Na, ich meine, sehen Sie doch selbst: Es ist paradox. Sie haben so wenig im Einkaufswagen, und ich so viel im in meinem Korb…»

«Noch immer begreife ich den Mann nicht. Deshalb frage ich: Hat es denn keine Einkaufswagen mehr bei den Kassen? Wenn ich bezahlt habe, können Sie gerne den Wagen haben.»

Unschlüssig wechselt der Mann sein Standbein vom linken zum rechten Fuss.

«Wir könnten doch tauschen», meint er. «Sie nehmen meinen Korb, und ich Ihren Wagen.»

«Aber im Wagen sind meine Sachen!»

«Die könnten Sie in meinen Korb legen. Nachdem ich MEINE Ware in IHREN Wagen geleert habe…»


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