Wie es Vater jetzt geht? Der liegt wie ein Pascha im Bett. Und ist bald schlimmer als meine Mutter: «Bring mir doch noch schnell…» oder «Gib mir doch bitte mal…» Was? Kleinigkeiten. Die Zeitung. Oder ein Glas Tee.
«Du weisst aber schon, dass du dich möglichst bald bewegen musst, damit du nicht alles Muskeln verlierst?», frage ich ihn.
«ICH und Muskeln verlieren? War schon in meiner Jugend ein richtiger Athlet!»
«Mit 20 Jahren? Oder wann?»
«Habe immerhin früher im Hochsprung 1 Meter 60 geschafft. Und im Speerwerfen 43 Meter.»
«Uiii! Da bin ich tief beeindruckt. Wusstest du, dass man ab 60 jeden Tag Muskeln ABBAUT? Im Jahr so etwa 20 %?»
Er überlegt. «Das kann ja gar nicht sein. Dann hätte ich ja pro Jahr ein Fünftel weniger Kraft. Also in fünf Jahren gar keine mehr!»
«Irrtum! Im ersten Jahr ein Fünftel weniger. Im zweiten ein Fünftel von vier Fünfteln…»
Er lacht. «Erzähl mit nichts! Da müsstest du ja Bruchrechnen können. Du warst nie eine Leuchte im Rechnen!»
«Hat immerhin für die Meisterprüfung gereicht», antworte ich beleidigt. «Hast du heute überhaupt deine Medikamente genommen?»
«Lenk nicht vom Thema ab. Aber ja, die gibt mir deine Mutter immer rechtzeitig. Bloss bräuchte ich Nachschub. Gut, dass du mich daran erinnerst. Du gehst ja morgen sowieso für uns einkaufen. Ruf doch noch schnell beim Arzt an, er meint, ich brauche nicht mehr das starke, sondern ein schwächeres Medi. Mutter!»
Meine Mutter trocknet sich die Hände am Handtuch ab und kommt aus der Küche geschossen. «Was ist?»
«Erklär dem Buben, was für ein Medikament er bringen soll!»
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