Aus der zweiten Reihe, Eigenschaften eines Staatsmannes

Neulich waren wir bei Heiner zu Hause. Wir treffen uns ja in letzter Zeit bei mir oder bei ihm, weil der Kari… Wollte ihn ja eigentlich ‘mal unter vier Augen sprechen. Hat sich aber bisher einfach nicht ergeben. Und einfach so am Telefon… Geht irgendwie auch wieder nicht. Heiner hat kaum Bier eingeschenkt, da legt Kari schon los.

«Wisst ihr, was einen guten Staatsmann ausmacht?», wirft er in die Runde.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass er sich vorbereitet hat auf unser Treffen. Wahrscheinlich möchte er nicht, dass wir auf seine Situation zu sprechen kommen.

«Na, ein gewinnendes Äusseres!», grinst Heiner. «Schau dir Putin an: Mit nacktem Oberkörper auf Bärenjagd!»

«Wusste gar nicht, dass du auf so etwas stehst», pruste ich los.

Kari verschluckt sich am Bier und kriegt einen roten Kopf. «Hast du mir ein Taschentuch?» Er wedelt mit der Hand in meine Richtung. Ich reiche ihm meine Papierserviette.

«Sag nächstes Mal Bescheid, bevor du solchen Blödsinn erzählt. Jetzt ist mir vor Lachen das Bier durch die Nase gelaufen! Übrigens stimmt deine erste Vermutung nicht. Churchill war ja wohl kaum ein Beau! Jetzt du, Bill!»

Ich kratze mich am Kopf. «Aber dann muss er wohl ein guter Rhetoriker sein.»

Kari neigt seinen Kopf zuerst nach rechts, dann nach links. «Wir kommen der Sache näher. Hitler beherrschte ganz klar Rhetorik. Aber war er deswegen ein guter Staatsmann?»

«Eher ein Demagoge», gibt Heiner zu bedenken.


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