Aus der zweiten Reihe, Über das Denken 6

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«Nehmen wir noch eines?», fragt Heiner und schaut in sein leeres Bierglas.

Ich schüttle den Kopf. «Damit wird es doch auch nicht besser.»

«Wie meinst du das?»

«Na, Alkohol ist schlussendlich eine Droge. Und wenn du Drogen nimmst, hast du statt einem plötzlich zwei Probleme…»

Heiner schluckt. «Es wäre schön, vergessen zu können. Aber am nächsten Morgen hast du Kopfweh. Und da fällt dir Vieles wieder ein. Oder noch mehr…»

Heute bezahle ich. Habe zwar nicht Geburtstag. Aber da alle drei nur ein Bier getrunken haben, kommt es nicht so bald wieder so billig…

«Na, wie war’s?», fragt Renate schlaftrunken.

Ich gähne. «War heute nicht so lustig.»

«Warum?», erschrocken setzt sie sich auf. 

«Ich weiss jetzt, warum der Kari sparen muss.»

«Sag schon?»

«Sein Chef zahlt ihm 500 weniger pro Monat. Weil er alt wird. Und aufmüpfig.»

Ich erzähle ihr alles. 

«Unsere Gesellschaft verändert sich», meint sie am Ende. «Wir sollten zu Kari und seiner Frau schauen.»

«Du hast recht. Verändern wir uns auch?», frage ich. «Und was passiert, wenn wir stehen bleiben?»

«Ich bin froh, dass ich dich habe», murmelt meine Frau. 

Ich ziehe mein Pyjama an und schlüpfe unter die Decke. 

«Ich habe dich immer noch gerne…»


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