Aus der zweiten Reihe, Über das Denken 5

Kari setzt sich aufrechter hin. 

«In Zukunft werde ich nur noch das machen, was in meinen Aufträgen steht. Ich meine, früher habe ich am Abend nach Dienstzeit kleinere Reparaturen selbst ausgeführt: Da ein kaputtes Birnchen ausgewechselt, ein verbogenes Karosserieteil gerade gedrückt, Motorenöl aufgefüllt… Mache ich nur noch, wenn das auf Arbeitszeit geht. Helfe der Kundschaft auch nicht mehr beim Abladen. Es sei denn, sie bezahlen dafür. Mache halt auch nur noch einen Job.»

«Ich mache mir Sorgen», sage ich. 

«Warum?»

«Mir scheint, da ist etwas falsch bei dieser Sicht der Dinge.»

«Wie meinst du das?»

«Arbeit hat man mal gewählt, weil EINE bestimmte einem gefallen hat», sage ich.

«Richtig»

«Dann kamen andere, die nur einen Job in der Arbeit sehen.»

«Auch korrekt.»

«Und nun scheint mir, dass Arbeit zum Gegenteil wird.»

«Gegenteil wovon?», fragt Heiner. «Ich komme da nicht draus.»

«Zum Gegenteil von Freude, von Spass. Arbeit wird zum Murks.»

«Wer hat Schuld daran?», fragt Kari. «Ich jedenfalls nicht!»

Ich zucke die Schulter. «Die Gesellschaft? Die Werbung, die dir vorschwärmt von der Freizeit, vom Genuss?»

Heiner denkt nach. «Aber wenn Arbeit zum Murks wird, dann macht sie doch krank.»

Kari nickt. «Deshalb gibt es ja auch immer mehr Leute mit Burn-Out.»

«Und immer mehr Menschen in der Klappsmühle», stimme ich zu.


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