Aus der zweiten Reihe, über das Denken 4

«Und zuletzt sagt doch der Chef: ‘Überhaupt müssen wir einmal über deine Pensionierung reden.’

‘Warum?’, frage ich, ganz überrascht.

‘Also, du weisst schon’, drückt er sich herum, ‘du wirst langsam alt. Und teuer. Weiss nicht, wie lange ich dich noch beschäftigen kann.’»

«So eine Frechheit!», empört sich Heiner. 

«Der Chef meinte weiter: ‘Mit dem Alter kommen auch Gebrechen. Da wirst du immer wieder zum Arzt gehen oder Spitalaufenthalte brauchen. Wer fährt dann?’»

«Und dann?», frage ich.

«Dann hat er gesagt, wenn ich mit 500 weniger zufrieden sei, könnten wir darüber sprechen.»

«Nicht wahr?», entfährt es mir.

Kari kann mich nicht ansehen. Er nickt nur, blickt leer auf den Tisch. Trinkt dann sein Glas leer. Schluckt. Reibt sich die Augen.

«Doch», sagt er endlich, kaum verständlich. «Seit einem Monat…»

«Und jetzt?»

«Was, und jetzt?»

«Bist du zur Gewerkschaft gegangen.»

Kari winkt ab. «Habe nachgedacht.»

«Auf welcher Stufe», witzelt Heiner.

Ich haue Heiner gegen die Brust. «Blödmann!»

«Lass nur», sagt Kari. «Es ist mir bewusst geworden, dass ich zur alten Generation gehöre. Wo du noch für ein Ideal gearbeitet hast. Wo du mit der Firma gelebt hast. Schau doch uns drei: Wir sitzen nach der Arbeit hin und wieder zusammen. Was machen die Jungen? Die HÄNGEN es und schauen in ihr Handy. Arbeit ist heute nur ein Job. Den machst du, bis du ‘was Besseres findest.»

«Und jetzt? Was ziehst du daraus für Schlüsse?»


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