Aus der zweiten Reihe, Stammtisch 5

«Dass sich der Heiner so ereifern kann», sagt meine Frau. «Das ist ungesund. Hat er nicht auch hohen Blutdruck? Nimmt er denn keine Beruhigungsmittel?»

Ich verwerfe die Hände. «Weiss ich doch nicht. Bin ja nicht sein Kindermädchen.»

Sie nickt. Und zögert. «Aber du bist ein guter Kollege. Schau auf deine Kumpels. Sonst sitzt du plötzlich allein in der Kneipe.»

Sie dreht sich und löscht das Licht. 

«Schlaf gut, Schatz!»

«Du auch.»

Ich liege noch eine Weile wach. Ob der Kari wirklich in Schwierigkeiten steckt? Soll ich den Heiner mal vorsichtig nach Medikamenten fragen? Könnte ich…

Ich stehe im Geschäft vor einem riesigen Regal. Ich schaue nach oben. Da sind mindestens 10 Tablare mit riesigen Säcken. Prall und schwarz. 

«Wie viele Säcke möchten sie denn haben?», fragt der freundliche Verkäufer. «Im Moment haben wir noch Aktion. Fünf für drei! Aber nur noch einige Sekunden!»

Nochmals schaue ich nach oben. Mir scheint, die Säcke würden immer praller. Ich wende mich an den Verkäufer. 

«Das ist Ihr letztes Angebot?»

Sein Gesicht verändert sich zu einer Fratze. Der Mund wird zu einem Maul, das sich weiter öffnet, als auf dem Bild «Der Schrei» von Munch.

«Also gut, weil Sie es sind: 6 Säcke zum Preis von 3! Mein letztes Angebot!»

Wieder sehe ich nach oben. Sieht es nur so aus, oder kippt das Gestell? Gleichzeitige platzen die Säcke. Es ist lauter Abfall drin. Ich erkenne zerdrückte Alu-Dosen, zersplitterte Gurkengläser, zermanschte Eierkartons, zerschlissene Plastiksäcke, Spaghetti-Reste…

Und alles fliegt auf mich zu. Doch nein! Im letzten Augenblick platscht alles an mir vorbei auf hunderte von Tannenbäumen, die auf dem Gemeindehausplatz stehen…


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