Wir schaffen es fast pünktlich. Wir sind zu spät, weil Renate «noch schnell» ins Bad musste. Als sie wieder erscheint, hat sie rote Lippen und duftet wie eine Rose. Jedenfalls nach Parfüm.
«Kannst du den Blumenstrauss und die Weinflasche nehmen?»
«Warum?», frage ich. «Die Blumen sind doch für Nelly. Willst nicht DU…?»
Sie hält mir die Hände unter die Nase. Ein giftiger Geruch steigt in die Schleimhäute.
«Ich muss mir zuerst noch die Fingernägel trocknen lassen.»
«Du meinst den Lack auf den Fingernägeln», stelle ich richtig.
Meine Frau verdreht die Augen. «Ist schon genug schwierig, nichts anzufassen. Machst du mir mal die Autotüre auf?»
Das tue ich. Und lege die Gaben sorgfältig in den Kofferraum. Und um die Weinflasche noch eine Wolldecke, damit sie möglichst nicht verrutscht.
Renate neben mir bläst auf die Fingernägel.
«Ob sie schon trocken sind?»
Ich schüttle den Kopf. «Was fragst du mich? Habe keine Erfahrung mit Nagellack…»
Nelly öffnet die Haustüre. Sie strahlt mich an. «Hey, Bill, toll siehst du aus! Von Mal zu Mal scheinst du mir jünger zu werden!» Sie umarmt mich.
Was? Du wusstest nicht, dass ich Bill heisse? Na ja, eigentlich heisse ich ja Willhelm. Wie bitte? Das ist aber eine andere Geschichte… Na, gut! Mein Nachname ist ja Knorr. Hin und wieder treffe ich mich mit meinen Kumpels von der Bude. Und da schwatzen wir natürlich. Manchmal sogar ausgiebig! Eines Tages sagt doch einer: «Unser Willhelm ist doch ein richtiger Story-Teller.»
«Hahaha!», ruft ein zweiter, «gut gesagt: Ein Willhelm Tell sozusagen!»
Irgendwie haben die beim Weitererzählen den Willhelm zum Willi gemacht. Und aus dem Willi ist ein Billy geworden. Weiss der Geier, wie! Und seither nennt mich Nelly Bill.
Gustav lächelt. Aber ein bisschen säuerlich. Er zieht mich bei Gelegenheit Richtung Salon zur Seite.
«Da hast du mir ein dickes Ei gelegt», flüstert er.
Verdattert sehe ich ihn an. «Warum?»
«Na, weil du jetzt «richtig» trainierst. Nelly hat mich gefragt, warum ich mit meinem Bauch nicht vorwärts mache, deiner gehe ja auch weg!»
Ich schmunzle ein wenig, bin stolz auf mich. «Weisst du, du musst nur das richtige Trainings-Programm zusammenstellen. Dann macht es sogar Spass!»
«Humbug!», sagt Gustav finster. «Das Training ist pickelhart! Ohne Muskelkater geht gar nichts!»
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